Inklusion im Sport

Mögliche allgemeine Anpassungsempfehlungen für Kinder mit Beeinträchtigung von PluSport.

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Inhaltliche, methodische und organisatorische Anpassungen ermöglichen die Partizipation von Kinder mit Beeinträchtigungen. Dieser Leitfaden soll die Inklusion fördern. Eine ausgewählte Lernaufgabe wurde durch PluSport mit spezifischen Variationsformen ergänzt. Im Sinne des Prinzips «Unterschiede nutzen» empfehlen wir auch diese kreativen Formen auszuprobieren.

Individuelle Voraussetzungen beachten

Kinder mit einer angeborenen, erworbenen oder fortschreitenden Beeinträchtigung haben unterschiedliche Voraussetzungen für die Entwicklung eines erfolgreichen Bewegungsverhaltens. Auf der Grundlage der verfügbaren sensomotorischen, kognitiven und psychischen Funktionen bilden das Neu- und Umlernen, das kreative Kompensieren und das Ausgleichen von Asymmetrien Schwerpunkte im motorischen Handeln.

Die unterschiedlichen Beeinträchtigungen in der Wahrnehmungs-, Beurteilungs-, Entscheidungs- und Handlungskompetenz können bei Kindern mit kognitiver Beeinträchtigung, Wahrnehmungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und Autismus-Spektrum-Störungen die Selbststeuerungsfähigkeit sowie das Gefahrenbewusstsein einschränken.

Situativ Anpassungen arrangieren

Anpassungen der Bewegungsaufgaben in verschieden Bereichen ermöglichen das Mitmachen von Kindern mit Beeinträchtigung. Nachfolgend werden anhand des 6+1 Modells von Thiemann (2013) allgemeine Anpassungsempfehlungen formuliert.

Bild: Modell des adaptiven Sportunterrichts nach Tiemann (2013)
Modell des adaptiven Sportunterrichts nach Tiemann (2013)

Beeinträchtigung im Sehen

Aufgabenstellung: Bewegungen genau und einfach beschreiben sowie Positionen stellen und abtasten lassen oder taktil führen. Erhöhten Muskeltonus beachten und entsprechend Pausen einplanen.

Kommunikation: Bewegung durch Geräusche und Stimme hörbar machen sowie Kommandos zur Bewegungsbegleitung und Zeichen zur Begrüssung und Verabschiedung vereinbaren.

Lernumfeld: Handlungsspielraum vergrössern durch weniger Spieler und/oder grösseres Spielfeld. Gegenstände nicht frei herumliegen lassen. Spielfeldbegrenzungen durch Malstäbe, Langbänke oder Absperrband sowie Gegenlichtsituationen vermeiden und längere Angewöhnungszeit bei Licht- und Schattenwechsel geben. Umfeld taktil erfahrbar gestalten.

Regeln: Signale hörbar machen. Zielflächen vergrössern.

Sozial- und Organisationsform: Mit einer Begleitperson Bewegung ermöglichen und mit verschiedenen Bewegungspartnern in unterschiedlichen Bewegungssituationen Vertrauen aufbauen.

Material: Durch Material in knalligen, leuchtenden Farben das Erkennen erleichtern. Starke Kontraste sind hilfreich.

Spezielle Geräte und Hilfsmittel: Mit Klingelbällen Ballspiele ermöglichen.

Beeinträchtigung im Hören

Aufgabenstellung: Bewegungen nacheinander erklären und vorzeigen sowie wenige, gezielte Informationen geben. Auditive Anteile durch andere Wahrnehmungskanäle ersetzen.

Kommunikation: Zuerst Sichtkontakt aufnehmen und danach deutlich und mit Vorteil hochdeutsch sprechen. Auf übertriebene Mimik und Gestik verzichten. Mit Piktogrammen unterstützen.

Lernumfeld: Bewegungsumfeld, das nicht im Blickfeld ist, und akustische Informationen durch Zeichen oder Lichtsignale «sichtbar» machen.

Regeln: Signale sichtbar machen (zum Beispiel durch Licht).

Sozial- und Organisationsform: Geeignete Formen wählen, die das Blickfeld auf die Bewegungssituation vergrössern (Bewegungsfeld im Rücken der Sportler:innen ist nicht wahrnehmbar).

Spezielle Geräte und Hilfsmittel: Bei Bewegung und Sport Hörgeräte gut fixieren oder ablegen.

Beeinträchtigung im Wahrnehmen und Verhalten

Aufgabenstellung: Klare Aufgaben stellen und direkte Anweisungen geben, die nicht als Bitte oder Frage formuliert sind.

Kommunikation: Auf gleicher Augenhöhe Blickkontakt aufnehmen, klare Rückmeldungen geben und diese mit Gebärden/​Piktogrammen unterstützen. Berührungspunkte miteinander abmachen. Eindeutig und zielgerichtet berühren. Umgangssprache und Ironie werden oft nicht verstanden.

Lernumfeld: Durch einfache und gleichbleibende Strukturen, klare Strukturierung des Raumes sowie eine eher reizarme Umgebung Aufmerksamkeit ermöglichen. Rituale sind wichtig. Eine «Insel» einrichten als gemeinsam vereinbarter Rückzugsort.

Regeln: Regeln konsequent beachten und durchsetzen. Dabei das Gefühl von Wertschätzung und Anerkennung vermitteln.

Sozial- und Organisationsform: Durch eine klare Organisations- und Sozialform Raum und Zeit zum «Lesen» der Bewegungssituation und der darin handelnden Personen geben. Gleichbleibende Formen geben Sicherheit.

Material: Wenig Material gezielt einsetzen und nicht frei herumliegen lassen. Spezielle Vorlieben (zum Beispiel Farbe) berücksichtigen.

Spezielle Geräte und Hilfsmittel: Durch den Einsatz von psychomotorischen Übungsgeräten und Hilfsmitteln das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Bewegung fördern. Mit PORTA-Gebärden Kommunikation unterstützen.

Beeinträchtigung in der Kognition

Aufgabenstellung: Eindeutige Aufgaben stellen, komplexe Aufgaben aufbauend einführen sowie Bewegungen deutlich vorzeigen. Nur wenig auf einmal variieren.

Kommunikation: Verständlich, einfach und motivierend sprechen sowie Bildkarten für bestimmte Aufgaben verwenden. Allenfalls Bewegungen taktil führen.

Lernumfeld: Mit einer klaren, sichtbaren und erfahrbaren Strukturierung des Raumes Orientierung ermöglichen und Sicherheit geben. Personen und Rollen speziell markieren.

Regeln: Wenige, einfache und verständliche Regeln nacheinander einführen und mit Bildkarten/​Gebärden festigen.

Sozial- und Organisationsform: Mit gleichbleibenden Organisations- und Sozialformen Vertrautheit und Sicherheit geben (Rituale). Aufgabe mit Begleitperson lösen.

Material: Material verwenden, die zur Variation der Bewegungssituation animieren.

Spezielle Geräte und Hilfsmittel: Mit psychomotorischen Übungsgeräten und Hilfsmitteln sowie «unbekannten» Sportgeräten neue Bewegungsformen erleben oder bestehende Bewegungsmuster ändern. Mit PORTA-Gebärden Kommunikation unterstützen.

Beeinträchtigung im Bewegen

Aufgabenstellung: Bewegung in Raum, Zeit und Kraft anpassen oder themenverwandte Bewegungsaufgabe stellen (Bewegung anstatt mit den Beinen mit den Armen machen).

Kommunikation: Position und Körperhaltung verändern und auf gleicher Augenhöhe kommunizieren.

Lernumfeld: Mit personellen, organisatorischen und strukturellen Anpassungen selbstständiges Bewegen ermöglichen.

Regeln: Durch individuelle Regeln Aktionsradius vergrössern und Ruhezonen ermöglichen.

Sozial- und Organisationsform: Unterschiedliche Aktionsebenen zwischen den Schülern:innen (stehend, sitzend im Rollstuhl oder auf dem Boden) beachten. Mit Begleitperson oder Rollenzuteilung Bewegung ermöglichen.

Material: Spiel- und Bewegungsmaterial den Bewegungsmöglichkeiten anpassen.

Spezielle Geräte und Hilfsmittel: Durch den situationsangepassten Einsatz von speziellen Geräten und Hilfsmitteln (zum Beispiel Rollstuhlkippsicherung) bestmögliche und sichere Bewegungsabläufe ermöglichen.