Didaktische Empfehlungen
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«Bewegung und Spielen sind kindliche Grundbedürfnisse, die das Lernen unterstützen. Es gilt, diese Spielfreude und Bewegungslust durch herausfordernde Bewegungsaufgaben und Erfolgserlebnisse zu erhalten und weiter zu fördern» (D-EDK, 2017).
1. Voraussetzungen und Heterogenität berücksichtigen – Differenzierung ermöglichen
«Körperliche, psychische und kognitive Voraussetzungen sowie Geschlecht, soziale Herkunft, Begabungen und Interessen sind bei der Planung und Gestaltung des Unterrichts zu berücksichtigen» (D-EDK, 2017). Die Aufgabenstellungen werden durch die Lehrperson den Voraussetzungen der Kinder angepasst, da diese in den ersten Schuljahren sehr unterschiedlich sein können (Ferrari, Steinmann & Bretz, 2021). Die Lehrperson gibt den zeitlichen, örtlichen und organisatorischen Rahmen der Lernaufgaben vor. Innerhalb dieses Rahmens erhalten die Kinder die Möglichkeit, Umsetzungsform und Ausführungsgeschwindigkeit selber zu wählen. So wird eine Differenzierung angestrebt, in welcher alle Kinder ihren Voraussetzungen entsprechend an der Lernaufgabe arbeiten und am Lernprozess teilhaben können.
2. Bezug zu den Lebenswelten der Kinder schaffen – Kreativität anregen
Die Kinder werden durch spannende Lernaufgaben in ihrer Lebenswelt «abgeholt». Durch das Verpacken der Lernaufgaben in Situationen und Geschichten, welche an den Lebenswelten der Kinder anknüpfen, werden die Emotionen und Vorstellungen der Kinder geweckt und Bedeutsamkeit sowie Betroffenheit geschaffen. Dank der Anknüpfung an Bekanntem werden die Kinder zu Experimentierfreudigkeit und Kreativität angeregt.
3. Sicherheit gewährleisten – Hilfestellungen anbieten
Damit die Kinder sich vollkommen der Lernaufgabe hingeben und kreativ werden können, braucht es eine sichere Lernumgebung. Die Lehrperson sorgt für Sicherheit, indem sie die Kinder beobachtet und begleitet. Sie hilft den Kindern ihre Kompetenzen realistisch einzuschätzen und einzusetzen und bietet, wo nötig, Hilfestellungen an. Falls gefährliche Situationen entstehen, greift die Lehrperson ein und gewährleistet jederzeit die physische und psychische Unversehrtheit der Kinder. Bereits bei der Planung der Lernaufgabe soll diesem Aspekt Beachtung geschenkt werden.
4. Orientierung an Kompetenzen – Kompetenzzuwachs für alle Kinder unterstützen
Lernaufgaben zielen auf eine umfassende Kompetenzförderung, wie u.a. im LP 21 Bewegung und Sport (D-EDK, 2017) vorgegeben ist: In jeder Lernaufgabe werden die Aspekte Können, Wissen und Einstellungen/Haltung berücksichtigt. Lernaufgaben sollen, durch unterschiedliche Lösungsstrategien den individuellen Kompetenzerwerb der Kinder unterstützen, indem der Schwerpunkt im Transfer von Wissen und Können auf weiteren Bewegungsaufgaben und nicht in der Reproduktion von Wissen und Können liegt (Ferrari & Baumgartner, 2021).
5. Ein schülerorientiertes Lernklima schaffen – Erfolgserlebnisse ermöglichen
Ein schülerorientiertes Lernklima ist gekennzeichnet durch gegenseitigen Respekt, Gerechtigkeit und Fürsorge (Meyer, 2005) und soll die Kinder dabei unterstützen, ihren individuell besten Lernerfolg zu erzielen. Ohne Druck und Angst können sich die Kinder entfalten und die Aufgaben kreativ und selbstständig lösen. Um Kinder in ihrem Lernprozess zu unterstützen, sind verständliche Erläuterungen und Visualisierungen hilfreich. Um die Kreativität und Eigenaktivität der Kinder jedoch nicht einzuschränken, sollen solche Visualisierungen sorgsam und ergänzend eingesetzt werden. Durch ein wertschätzendes Feedback und eine emotionale Unterstützung können die Lehrpersonen die Kinder in ihrem Lernprozess stärken.
6. Hohe Lern- und Bewegungszeit anstreben – Lernerfolg ermöglichen
Die Zeit, in der sich Lernende konstruktiv und engagiert mit dem Lernstoff beschäftigen, gilt als wichtigste Determinante des Lernerfolgs (Gold, 2015). Da eine hohe zielorientierte Bewegungszeit ein wesentliches Merkmal guten Sportunterrichts ist (Kühnis, 2017), sollen Lehrpersonen die aktive Lernzeit möglichst maximieren. Dies kann gelingen, indem die Kinder beispielsweise intensiv an den Lernaufgaben arbeiten, dies auf kognitiver, motorischer, sozialer und emotionaler Ebene. Die Bildung kleiner Gruppen, knappe Anleitungen, klare Rahmenbedingungen, optimales Materialmanagement fördern eine hohe Lern- und Bewegungszeit. Dabei soll den Kindern genug Zeit für den Lernprozess zur Verfügung gestellt werden.
7. Variationsmöglichkeiten anbieten – Vielseitigkeit fördern
Lernsituationen für Kinder sollen spielerisch, vielseitig und herausfordernd ausgerichtet sein, sowie Erfolgserlebnisse und Variationen ermöglichen (unter anderem Steinmann, Brönimann & Lauber, 2014), damit jedes Kind aufgrund seines Entwicklungsstands individuell gefördert werden kann. Dank offenen und erlebnisreichen Lernaufgaben können die Kinder unterschiedliche Erfahrungen sammeln und individuelle Lernziele verfolgen. Weitere Variationsmöglichkeiten ergeben sich aus der Umsetzung der Lernaufgaben im Freien (outdoor), in einem Raum (indoor) oder mit unterschiedlichen Materialien (Naturmaterialien, Alltagsgegenständen, Sportmaterialien). Lernaufgaben bieten zudem, durch die Variation der Sozialform (ich, du, wir), vielfältige Erfahrungen im Umgang mit anderen Kindern.
8. Gefühle thematisieren – den Umgang mit Emotionen lernen
Lernaufgaben können intensive Gefühle wie Freude, Glück und Stolz, aber auch Ärger, Wut und Enttäuschung auslösen (Steinmann et al., 2014). Emotionsreiche Situationen sollen durch die Lehrperson mit den Kindern thematisiert und reflektiert werden. Daraus ergeben sich wertvolle Gespräche, in welchen das Erlebte, die Emotionen, deren Erscheinungsformen und der Umgang damit diskutiert werden. Ziel ist, dass Kinder die eigenen Emotionen und die der anderen Kinder wahrnehmen und beschreiben können und somit zunehmend in der Lage sind, ihre Empathie und ihre Frustrationstoleranz zu erweitern.
9. Fächerübergreifende Lernaufgaben kreieren – bewegten Unterricht fördern
Lernaufgaben eignen sich für einen fächerübergreifenden Unterricht und können Vernetzung zu anderen Themen und Fächern ermöglichen. Durch die Verknüpfung von unterschiedlichen Lerninhalten können die Aufgaben aus verschiedenen Perspektiven und ganzheitlich gelöst werden. Vernetztes Denken, Fachwissen und überfachliche Kompetenzen können in einem fächerübergreifenden Unterricht, in dem Bewegung und Sport mit Fächern wie NMG, Sprachen oder Mathematik kombiniert wird, gefördert werden.
10. Die Kinder kognitiv und motorisch aktivieren – Reflexion anregen
Lernaufgaben sind kognitiv aktivierend, ermöglichen die Lösung von Bewegungsproblemen und fördern das handlungsorientierte Lernen (Gogoll, 2022; Pfitzner & Aschebrock, 2013; Schönfeld, 2020). Durch das gemeinsame Erarbeiten und Ausprobieren von Lösungen, beteiligen sich alle Kinder aktiv am Lernprozess. Die Lehrperson kann dabei Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse der Kinder anregen, indem sie während der Lernaufgabe gezielte Reflexionsfragen, sei es individuell oder in der Gruppe, stellt. Die Kinder sollen damit die Möglichkeit haben, über ihre Erfahrungen zu berichten, sich darüber auszutauschen und diese auszuwerten. Die Lehrperson, welche durch Fragen und Anregungen die Reflexion anleitet, hilft, wichtige Erkenntnisse der Kinder zu vernetzen (Reusser, Lipowsky & Pauli, 2021).
Mut, Gelassenheit und Vertrauen
Kinder in ihrer Lerntätigkeit zu begleiten verlang von Lehrpersonen Mut, Gelassenheit und Vertrauen. Den Mut, den Kindern die Verantwortung für ihr Lernen zu übertragen. Die Gelassenheit, verschiedene Herangehensweisen und Lösungsansätze zuzulassen. Das Vertrauen in die Kinder, in die Lernaufgaben und in die eigene Lehrtätigkeit zu haben, damit ein offener Ausgang der Lernaufgabe möglich ist, Erfolgserlebnisse resultieren und Selbstwirksamkeit wahrgenommen wird.