Bewegung im Kindesalter

Grundlagen zur Bewegungsförderung im Kindesalter.

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Ausleben elementarer Bewegungs­be­dürf­nisse

Bewegung gilt als Motor der kindlichen Entwicklung und ist für die Erschliessung der Lebenswelt sowie ein gesundes Aufwachsen unverzichtbar (Zimmer, 2020). Beim Ausleben ihres natürlichen Bewegungs-, Spiel- und Entdeckungsdranges setzen sich Kinder mit ihrer räumlichen und sozialen Umwelt auseinander, sammeln grundlegende Primärerfahrungen und lernen sich und ihre motorischen Möglichkeiten und Grenzen einzuschätzen (Zimmer, 2020; Lienert, Sägesser & Spiess, 2016; Kühnis, 2010). Kinder in der Eingangsstufe im Alter von vier bis acht Jahren sind neugierig und auf der ständigen Suche nach herausfordernden Bewegungssituationen (wie zum Beispiel das Balancieren auf einer Mauer, das Erklettern eines Baumes oder das Springen ins Wasser). Dieses Bewegungshandeln in verschiedenen Handlungskontexten (zum Beispiel auf dem Spielplatz, dem Schulweg, in der Bildungseinrichtung oder der Natur) eröffnet grundsätzlich vielfältige motorische, emotionale, kognitive und soziale Entwicklungschancen. Diese Bedeutung der Welt- und Selbsterschliessung durch Bewegung sowie die damit verbundenen Potentiale werden auch in den entwicklungsorientierten Zugängen «Körper, Gesundheit und Motorik», «Wahrnehmung» sowie «Eigenständigkeit und soziales Handeln» des Fachlehrplans (D-EDK, 2016a) hervorgehoben.

Um vielfältige Bewegungserfahrungen zu sammeln, sind deshalb Lerngelegenheiten wichtig, die im Lebensalltag von Heranwachsenden eingebettet sind sowie Handlungsfreiräume eröffnen. Aus gesundheitlicher Sicht ist es zudem wichtig, dass Bewegungsaktivitäten regelmässig und in einem gewissem Umfang ausgeübt werden. Gemäss aktuellen Empfehlungen (BASPO et al., 2022) sollten sich Kinder im Alter von 3 bis 4 Jahren mindestens 3 Stunden (davon 1 Stunde mit mittlerer bis hoher Intensität) und im Alter von 5 bis 17 Jahren über die Woche verteilt im Durchschnitt mindestens 1 Stunde pro Tag mit mittlerer bis hoher Intensität bewegen.

Aufbau motorischer Handlungs­fä­hig­keit

Für eine ganzheitliche Entwicklungsförderung von Kindern kommt neben der Bewegungs­sozialisation in der Familie auch dem schulischen Kontext eine zentrale Rolle zu, da hier alle Kinder erreicht werden können (Kühnis, 2010). Dabei stellt das Kindergarten- und frühe Grundschulalter eine wichtige Phase im Aufbau der motorischen Handlungsfähigkeit dar. In diesem Lebensabschnitt werden motorische Basiskompetenzen erworben, sukzessive gefestigt und ein wichtiger Grundstein für den weiteren individuellen Entwicklungsverlauf gelegt (Sudgen & Soucie, 2017, Hulteen et al., 2018, Zimmer, 2020). Für die Bewältigung konkreter Bewegungsaufgaben, den Umgang mit dem eigenen Körper (zum Beispiel beim Laufen, Balancieren) oder mit Spielobjekten und Geräten (zum Beispiel Werfen, Fangen, Klettern) sind ausreichend ausgebildete Kompetenzen erforderlich. Beispielsweise kann ein Kind nur dann an Ballspielen in der Schule oder der Freizeit partizipieren, wenn es eine entsprechende Ballsicherheit besitzt. Für eine aktive Teilhabe an unserer Bewegungs- und Sportkultur (D-EDK, 2016b), gelten motorische Basiskompetenzen deshalb als zentrale Voraussetzung (Herrmann et al., 2021; Gesundheitsförderung Schweiz, 2021).

Einschätzung und Förderung motorischer Basiskompetenzen

Die Förderung und Weiterentwicklung motorischer Basiskompetenzen setzt eine möglichst präzise Einschätzung des Lern- und Leistungsstandes der Kinder (Ferrari et al., 2022) sowie vielfältige Erfahrungs- und Übungsmöglichkeiten voraus. Für die Praxis im Bewegungs- und Sportunterricht wurden hierzu (abgestützt auf die in den Fachlehrplänen formulierten Kompetenzen) vier jahrgangsstufenspezifische Testinstrumente entwickelt, welche den Kindergarten und die Primarschule abdecken (mobak.info). Um Kinder in ihrem Lernprozess und Kompetenzaufbau zu unterstützen, wurden im Rahmen des vorliegenden Online-Tools zudem eine Sammlung von kindgerechten Lernaufgaben erstellt, welche im Sinne des entdeckenden Lernens selbständig, in Interaktion mit anderen Kindern und Begleitung der Lehrperson bewältigt werden können.