Sexuelle Gesundheit
Inhalt dieser Seite
Das Wichtigste in Kürze
Seit vielen Jahren ist sexualkundlicher Unterricht, Emotionsregulation, Körperwissen und Prävention sexualisierter Gewalt Gegenstand der kantonalen Volksschullehrpläne. Ein umfassender Unterricht basiert auf einem breiten Begriff von Sexualität. Deshalb greift sexualkundlicher Unterricht – gestützt auf die Menschenrechte – Themen wie sexuelle und reproduktive Rechte, soziokulturelle Normen, Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung auf, um Diskriminierung und Stigmatisierung zu vermeiden und eine offene, respektvolle Kommunikation zu fördern.
Im Rahmenkonzept «Standards für Sexualaufklärung in Europa» [WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA 2011] wird sexuelle Gesundheit definiert …
- «als Zustand körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Wohlbefindens bezogen auf die Sexualität und bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, Funktionsstörungen oder Schwäche. Sexuelle Gesundheit erfordert sowohl eine positive, respektvolle Herangehensweise an Sexualität und sexuelle Beziehungen als auch die Möglichkeit für lustvolle und sichere sexuelle Erfahrungen, frei von Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt. Wenn sexuelle Gesundheit erreicht und bewahrt werden soll, müssen die sexuellen Rechte aller Menschen anerkannt, geschützt und eingehalten werden.» (Seite 19)
Somit wird umfassende Sexualaufklärung als Teil der allgemeinen Bildung verstanden, die zu Persönlichkeitsentwicklung, Lebensqualität sowie reproduktiver, körperlicher und psychischer Gesundheit beiträgt.
Relevante Inhalte einer umfassenden schulischen Sexualaufklärung, die gemäss Lehrplan 21 je nach Schulstufe der Kinder und Jugendlichen angepasst werden müssen:
- körperliche Entwicklung
- Empfängnis und Verhütung
- sexuell übertragbare Krankheiten
- sozio-kulturelle Werte und Normen
- geschlechtliche Vielfalt und sexuelle Identitäten
- sexuelle Rechte
- sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch
- Beziehungsgestaltung
- Selbstwahrnehmung und Umgang mit Emotionen
- Mediennutzung und Medienkritik
Die methodisch-didaktische Umsetzung bedingt eine altersadäquate, sensitive Umsetzung in den jeweiligen Altersstufen und setzt für Lehrpersonen eine Auseinandersetzung mit sexualpädagogischen Grundlagen voraus. Schwerpunktmässig werden diese lebenskundliche Themen in den Fachbereichen Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG), Natur und Technik (NT), Medien und Informatik (MI) sowie Religionen, Kulturen und Ethik (RKE) behandelt. Alle Inhalte einer umfassenden Sexualaufklärung stehen in engem Zusammenhang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Sie stärken die sexuelle Gesundheit, die Gleichstellung, die Selbstbestimmung und den sozialen Zusammenhalt. Die Förderung psychosozialer Kompetenzen ist eine wesentliche Voraussetzung für die Erreichung dieser Ziele. Darüber hinaus ist umfassender Sexualkundeunterricht ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsförderung und Prävention.
Elternzusammenarbeit zum Thema sexuelle Gesundheit
Die Verantwortung für die Sexualerziehung liegt in erster Linie bei den Eltern beziehungsweise den Erziehungsverantwortlichen der Kinder. Die Volksschule unterstützt und ergänzt die elterliche Sexualerziehung im Rahmen ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages. Damit leistet die Schule einen Beitrag zur Chancengleichheit.
Grundsätzlich sollen Eltern vorab informiert werden, wenn im geplanten Unterricht Themen angesprochen werden, die bei Eltern als Eingriff in ihre Erziehungsverantwortung wahrgenommen werden könnten. Elternabende zum Thema «Elterliche Sexualerziehung» unterstützen die Erziehungsarbeit der Eltern. Diese können von der Schule mit externen Fachpersonen organisiert werden.
Kontakt
Literaturverzeichnis
Bundesamt für Gesundheit (2024) Sexualaufklärung für Kinder und Jugendliche
Delgrande Jordan, Marina, Eva Schneider, und Sophie Masseroni (2021) Comportements sexuels chez les élèves de 14 et 15 ans en Suisse – Résultats de l’enquête «Health Behaviour in School-aged Children»
Rapport de recherche No. 124. Lausanne: Addiction Suisse.
IPPF (2009) Sexuelle Rechte: Eine IPPF-Erklärung
London: International Planned Parenthood Federation (IPPF).
Keller, Roger, Esther Kirchhoff, und Simone Schoch (2024) Sex Education Switzerland (SES) – Studie zur Umsetzung der Sexualaufklärung in der Schweiz
Schlussbericht im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation. Zürich: Pädagogische Hochschule Zürich.
Schweizer Bundesrat (2021) Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030
United Nations (20215) The 17 Sustainable Development Goals (SDGs)
WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA (2011) Standards für die Sexualaufklärung in Europa. Rahmenkonzept für politische Entscheidungsträger, Bildungseinrichtungen, Gesundheitsbehörden, Expertinnen und Experten
Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Letzte Aktualisierung: 24. August 2026