Medien
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Das Wichtigste in Kürze
Was der Begriff «Medien» alles umfasst, ist nicht eindeutig definiert. Im alltäglichen Sprachgebrauch sind damit oft Informations- oder Kommunikationsmittel oder Massenmedien gemeint. Dazu gehören klassischerweise Zeitungen, Bücher, Radio und Fernsehen. Seit der Digitalisierung der Medien zählen auch Computer, Tablet und insbesondere das Smartphone dazu und damit alles, was mit dem Internet verbunden ist, zum Beispiel Games, E-Mails, Social Media oder Anwendungen von künstlicher Intelligenz [Nationale Plattform Jugend und Medien u. ZHAW 2024]. Im Folgenden stehen digitale Medien im Fokus.
Im Zusammenhang mit der körperlichen und psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen werden – nebst Faktoren wie Gerätetyp, Ergonomie und Nutzungsdauer – vor allem die medialen Inhalte thematisiert [Waller u. Meidert 2020]. Zu den zentralen gesundheitsbezogenen Kompetenzen gehören deshalb das kritische Hinterfragen und die Reflexion von Medieninhalten sowie die Fähigkeit, Gespräche und Diskussionen rund um die Mediennutzung und Medieninhalte zu führen. Ebenso gehören das technische Knowhow und das Verständnis, wie Medien funktionieren und wie man das Bedürfnis nach zuverlässiger Information stillt, dazu. Der Kompetenzerwerb zielt darauf, Medien zweckmässig, mass- und genussvoll wie auch kreativ in den eigenen Alltag integrieren zu können. Damit verschränken sich fachliche Kompetenzen aus dem Modullehrplan Medien und Informatik mit überfachlichen Kompetenzen – auch Lebenskompetenzen (englisch: life skills) genannt.
Chancen und Risiken der Nutzung digitaler Medien
Digitale Medien sind einerseits eine Ressource für die Gesundheit. Ein positiver, aktivierender und erholsamer Effekt geht von Inhalten aus, die mit Neugier, Vergnügen und Lerngewinn verbunden sind. Soziale Netzwerke beispielsweise ermöglichen den Kontakt und Gedankenaustausch mit Gleichaltrigen und können damit das Gefühl des sozialen Eingebundenseins und sozialer Unterstützung stärken. Über digitale Medien können gesundheitsbezogene Informationen und Angebote vermittelt werden. Zusammen mit konkreten Anleitungen (zum Beispiel über Videos), dem Austausch mit anderen Personen (zum Beispiel in internetbasierten Foren) oder mit Fachpersonen (zum Beispiel Chat-Kontakt bei 147.ch) haben diese Informationen und Angebote das Potenzial zur Selbsthilfe, zur positiven Veränderung des Gesundheitsverhaltens sowie zur Gesundheitsversorgung und Gesundheitsintervention. So können digitale Medieninhalte zur sozialen, emotionalen und kognitiven Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beitragen und diese bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben unterstützen [Eschenbeck u. Knauf 2018, Schaumburg u. Prasse 2019, Waller u. Meidert 2020].
Andererseits werden Risiken für die körperliche und psychische Gesundheit untersucht. Die aktuellen Forschungsergebnisse dazu sind oft inkonsistent, da viele Faktoren eine Rolle spielen: die Art des Gerätes, die ergonomische Einrichtung (zum Beispiel Tischhöhe, Stühle) und nicht zuletzt die Medieninhalte selbst. Auf der Seite der nutzenden Personen spielen unter anderem das Entwicklungsalter, die Körperhaltung bei der Mediennutzung, die Nutzungsdauer sowie, bezogen auf die Medieninhalte, auch die psychische Verfassung und die psychosozialen Kompetenzen der Personen eine Rolle [Mader et al. 2025, Schaumburg u. Prasse 2019, Vasconcellos et al. 2025, Waller u. Meidert 2020].
So können auf körperlicher Ebene Fehlhaltungen zu Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen führen, insbesondere bei Bewegungsmangel (vergleiche Thema Bewegung). Je nach Nutzungsverhalten kann die Schlafzeit reduziert und die Schlafqualität beeinträchtigt sein, und bei exzessiver Nutzung besteht das Risiko weiterer negativer Folgen (zum Beispiel Vernachlässigung von schulischen Arbeiten; vergleiche Thema Sucht). Auch finanzielle Risiken bei der Nutzung von Bezahlabonnements und Online-Games [Stortz u. Perissinotto 2024] sind mit der Mediennutzung verbunden (vergleiche Informationen zur Finanzkompetenz). Des Weiteren können Medieninhalte, etwa Werbung oder Beiträge in sozialen Medien, das Gesundheitsverhalten beeinflussen (vergleiche zum Beispiel das Thema Ernährung und Essen). Soziale Vergleiche, die Angst etwas zu verpassen und insbesondere auch negative oder diskriminierende Kommentare können Stress auslösen (vergleiche dazu auch die Themen Sexuelle Gesundheit und Gewalt) [Schaumburg u. Prasse 2019, Waller u. Meidert 2020].
Ansätze zur schulischen Medienförderung
Um die Chancen, welche digitale Medien mit sich bringen, sicher und sinnvoll nutzen zu können und die Risiken von Gesundheitsbeeinträchtigungen zu minimieren, braucht es im Volksschulalter eine zuverlässige Begleitung der Kinder und Jugendlichen durch erwachsene Bezugspersonen [Stortz u. Perissinotto 2024]. Diese beinhaltet in der Schule einerseits die Unterstützung für einen systematischen Kompetenzerwerb im Umgang mit den digitalen Medien, andererseits das Aushandeln und Durchsetzen von alters- und entwicklungsadäquaten Regeln. Somit können entsprechende Freiräume auch verantwortungsvoll genutzt, Erfahrungen gesammelt und Dinge ausprobiert bzw. selbstbestimmt gelernt werden, einschliesslich der Erfahrungen mit bildschirmfreien Arbeitszeiten und Räumen [Eschenbeck u. Knauf 2018, Stortz u. Perissinotto 2024].
Um den gesundheitsförderlichen Umgang mit den Medien zu stärken, verweist der Lehrplan 21 auf verschiedene Kompetenzbereiche. Damit lehnt sich der Lehrplan an Modelle der Medien- oder Digitalkompetenzen, die mit der Digitalisierung der Welt zunehmend komplexer wurden.
Baacke (1999) unterschied in seiner Definition von Medienkompetenz zwischen vier Dimensionen (mit mehreren Unterdimensionen):
- Medienkritik (analytisch, reflexiv, ethisch),
- Medienkunde (informativ, instrumentell, qualifikatorisch),
- Mediennutzung (rezeptiv, anwenden, interaktiv anbieten),
- Mediengestaltung (innovativ, kreativ).
Diese Definition sowie Adaptionen davon finden auch heute noch Eingang in die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen.
Neuere Modelle integrieren die sozialen und personalen Kompetenzen, die für einen gesunden Umgang mit digitalen Medien wichtig sind. Es werden auch die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung aufgegriffen, wie zum Beispiel die Fähigkeit zur Partizipation und die Verantwortung für regionale, nationale und globale Gemeinschaften und deren Wohlbefinden [DQ Insitute 2022, Genner 2019]. Digitale Kompetenzen stellen dabei möglicherweise keine eigene Kategorie dar, sondern ergänzen die bisher schon relevanten fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen um spezifische Aspekte, die durch die neuen Technologien dazu kommen. Diese Kompetenzen kommen in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang dann zum Tragen, wenn gewisse Wertehaltungen, wie zum Beispiel Respekt, Verantwortung oder Ehrlichkeit, von besonderer Bedeutung sind [Genner 2019].
Elternzusammenarbeit zum Thema Medien
Auch wenn Kinder und Jugendliche heute mit digitalen Medien aufwachsen und unbefangen sowie interessiert mit ihnen umgehen, sind sie nicht ohne Unterstützung medienkompetent. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie alles verarbeiten können, was sie sehen, hören und erleben [Bernath et al. 2024, Nationale Plattform Jugend und Medien u. ZHAW 2024, Tilemann u. Eder 2019].
Den Bedarf, die Kinder zu begleiten und Fürsorge zu leisten, nehmen auch die Eltern wahr [Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) 2020]. Nicht selten wenden sie sich mit diesem Anliegen an die Schule. Mit Elternbildungsanlässen kann die Schule die Eltern in diesen Fragen unterstützen und Wissen zu einer alters- und entwicklungsangemessenen Nutzung von Medien vermitteln. Im Zentrum steht nicht die einseitige Problemfokussierung beim Kind, sondern die Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz. Die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule kann zudem durch deren aktiven und partizipativen Einbezug mit Blick auf schulische Anliegen gestärkt werden.
Für Bezugspersonen ist es interessant und hilfreich, das Medien-Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen im gesellschaftlichen Vergleich und vor allem in Bezug zu ihren Entwicklungsaufgaben zu kennen [Bernath et al. 2024, Eschenbeck u. Knauf 2018]. Dies kann die Grundlage bieten, als Eltern und Lehr- sowie Fachpersonen miteinander ins Gespräch über digitale Medien zu kommen.
Für Bezugs- wie auch Fachpersonen ist es von zentraler Bedeutung, eine eigene Haltung bezüglich digitaler Medien zu entwickeln. Dies tun sie, indem sie auch sich selbst, ihre Vorbildfunktion und ihr Nutzungsverhalten reflektieren und hinterfragen sowie Kinder und Jugendliche beobachten und immer wieder mit ihnen ins Gespräch kommen [Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) 2020]. So können die Vielschichtigkeit des Themas und die verschiedenen Funktionen der Mediennutzung und damit das Nutzungsverhalten besser verstanden werden.
Programm zur Förderung der Medienkompetenz
Programme beziehen die ganze Schule ein. Das ganze Schulteam arbeitet sich in die Inhalte ein und setzt diese im eigenen Unterricht und in klassenübergreifenden Anlässen um. Damit werden Kompetenzen zyklusübergreifend gefördert und eine gesunde Schulkultur gestärkt.
Flo# – Medienprävention für Schulen folgt diesem Prinzip: Eine massgeschneiderte schulinterne Weiterbildung für Lehrpersonen und das weitere Schulpersonal führt in zyklusrelevante Inhalte ein. Im Zyklus 2 und Zyklus 3 werden anschliessend zwei Medienhalbtage zu spezifischen Themen durchgeführt. Dazu werden in allen Zyklen Elternveranstaltungen geplant.
Kontakt
Empfohlene Webseiten
Jugend und Medien – Informationsportal zur Förderung von Medienkompetenzen: Empfehlungen für Eltern
ZHAW – Ratgeber Medienkompetenz
Klicksafe – Medienerziehung
Stellen für Suchtprävention im Kanton Zürich – Infomaterial und Beratung
Literaturverzeichnis
Baacke, Dieter (1999) Medienkompetenz als zentrales Operationsfeld von Projekten.
In: Handbuch Medien: Medienkompetenz. Modelle und Projekte, hrsg. v. Dieter Baacke, Susanne Kornblum und Jürgen Lauffer, 31–35. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.
Bernath, Jael, Paulina Domdey, Sarah Genner, Céline Külling-Knecht, Daniel Süss, Lilian Suter, Gregor Waller, und Isabel Willemse (2024) Medienkompetenz – Empfehlungen zum Umgang mit digitalen Medien. Für Eltern und Bezugspersonen.
Bern: Nationalen Plattform Jugend und Medien (BSV) und Fachgruppe Medienpsychologie (ZHAW).
DQ Insitute (2022) What is the digital framework? Global standards for digital literacy, skills, and readiness.
Zugriff 25.8.2025.
Eschenbeck, Heike, und Rhea-Katharina Knauf (2018) Entwicklungsaufgaben und ihre Bewältigung.
In: Entwicklungspsychologie des Jugendalters, hrsg. v. Arnold Lohaus, 23–50. Berlin: Springer.
Genner, Sarah (2019) Kompetenzen und Grundwerte im digitalen Zeitalter.
In: Aufwachsen im digitalen Zeitalter – Bericht der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen, hrsg. von der Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ), 9–15. Bern: EKKJ.
Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) (2020) Mediennutzung: Modell zur Zusammenarbeit mit Eltern.
Lausanne: GREA, Fachverband Sucht, Bundesamt für Gesundheit BAG.
Mader, Sebastian, Damiano Costantini, Annette Fahr, und Marina Delgrande Jordan (2025) The Effect of Social Media Use on Adolescents’ Subjective Well-Being: Longitudinal Evidence from Switzerland.
Social Science & Medicine 365:117595.
Nationale Plattform Jugend und Medien, und ZHAW (2024) Medienkompetenz. Empfehlungen zum Umgang mit digitalen Medien.
Bern: Jugend und Medien – Nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenz, und Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
Schaumburg, Heike, und Doreen Prasse (2019) Medien und Schule. Theorie – Forschung – Praxis.
Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Stortz, Cédric, und Célestine Perissinotto (2024) «Problematische/Risikoreiche Bildschirmnutzung» in der Schweiz. Erkenntnisse und Empfehlungen der nationalen Expert:innengruppe «Onlinesucht». Synthesebericht 2021–2024.
Zürich und Lausanne: Nationale Expert:innengruppe «Onlinesucht».
Tilemann, Friederike, Sabine Eder (2019) Frühkindliche Medienwelten im digitalen Zeitalter.
In: Aufwachsen im digitalen Zeitalter – Bericht der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen, hrsg. von der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ), 58–64. Bern: EKKJ.
Vasconcellos, Roberta Pires, Taren Sanders, Chris Lonsdale, Philip Parker, James Conigrave, Samantha Tang, Borja Del Pozo Cruz, u. a. (2025) Electronic Screen Use and Children’s Socioemotional Problems: A Systematic Review and Meta-Analysis of Longitudinal Studies.
Psychological Bulletin 151 (5): 513–43.
Waller, Gregor, und Ursula Meidert (2020) Digitale Medien: Chancen und Risiken für die Gesundheit.
In: Gesundheit in der Schweiz – Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Nationaler Gesundheitsbericht 2020, hrsg. vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium, 210–243. Bern: Hogrefe Verlag.
Letzte Aktualisierung: 24. August 2026