Stress im 2. Zyklus
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Wichtige Themen
Die Mehrheit der Kinder weist eine stabile psychische Gesundheit auf. Dennoch zeigen die Studie «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC-Studie) [Delgrande Jordan et al. 2023, Balsiger et al. 2023] sowie die Pro Juventute Stress-Studie [Albrecht et al. 2021], dass der Anteil gestresster Kinder mit zunehmendem Alter steigt. Mögliche Gründe hierfür sind unter anderem der steigende Leistungsdruck in der Schule, überfordernde Erwartungen seitens der Eltern sowie der Mangel an freier, selbstbestimmter Zeit für Aktivitäten, die Freude bereiten. Die Pro Juventute Stress-Studie betont zudem den engen Zusammenhang zwischen der Schulkultur und dem Stresserleben der Schüler:innen.
Eine gesunde körperliche und psychische Entwicklung setzt die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers und der eigenen Gefühle voraus. Kinder müssen lernen, ihre eigenen Stresssituationen zu erkennen, das Stresserleben mitzuteilen und sich zu entspannen. Damit dies gelingt, benötigen sie einerseits fachliche und überfachliche Kompetenzen sowie andererseits soziale Unterstützung durch ihr Umfeld.
Lehrpersonen spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Schüler:innen in belastenden Situationen unterstützen und ihnen helfen, diese problemorientiert und emotionsregulierend zu bewältigen. Durch den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen und eine individuelle Begleitung können sie den Unterricht so gestalten, dass Stress verringert oder präventiv vermieden wird [de Quervain et al. 2020, Güntzer 2017].
Im Folgenden werden drei Themen aufgeführt, die im zweiten Zyklus wichtig sind. Für jedes Thema werden Bezüge zum Lehrplan 21 hergestellt sowie empfohlene Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien aufgelistet.
1. Selbstwahrnehmung und Selbstregulation
Zentrale Inhalte
- Angenehme und unangenehme Gefühle, Stress und Probleme wahrnehmen und darüber reflektieren können (Körpersignale, Gedanken, Situationen)
- Wer bin ich, was macht mich aus?
- Gefühle als Signale ernst nehmen und akzeptieren
- Gefühle angemessen ausdrücken
- Auslöser für angenehme und unangenehme Gefühle erkennen können
- Wirksame Strategien im Umgang mit negativen Gefühlen entwickeln (Emotionsregulation, Erhöhung der Frustrationstoleranz und Impulskontrolle)
Bezüge zum Lehrplan 21
Überfachliche Kompetenzen
Die Schüler:innen
- können eigene Gefühle wahrnehmen und situationsangemessen ausdrücken.
- können ihre Interessen und Bedürfnisse wahrnehmen und formulieren.
- können auf ihre Stärken zurückgreifen und diese gezielt einsetzen.
- können Fehler analysieren und über alternative Lösungen nachdenken.
- können auf Lernwege zurückschauen, diese beschreiben und beurteilen.
- können eigene Einschätzungen und Beurteilungen mit solchen von aussen vergleichen und Schlüsse ziehen (Selbst- und Fremdeinschätzung) (S. 37).
Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG)
Die Schüler:innen
- können menschliche Grunderfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und vergleichen (zum Beispiel verschiedene Kulturen, Generationen, Geschlecht). (NMG.11.1.d)
- können ethisch problematische Situationen aus verschiedenen Perspektiven betrachten und einen Standpunkt einnehmen. (NMG.11.4.d)
Bewegung und Sport (BS), didaktische Hinweise
Die Schüler:innen
- können Emotionen unter Anleitung reflektieren (zum Beispiel Teambildung). (BS.4.B.1.6c)
- können Emotionen kontrollieren (zum Beispiel Schiedsrichterentscheide akzeptieren). (BS.4.B.1.6d)
Empfohlene Lehrmittel
- Praxisbuch Achtsamkeit (Kaltwasser 2016)
- Denk-Wege (vormals Pfade)
- Achtsame Schule (Rechtschaffen 2018)
- Fairplayer 5–6 (Braun et al. 2019)
- IPSY (Weichold u. Silbereisen 2014)
- MindMatters (Radix 2019)
- Mit Stress umgehen – im Gleichgewicht bleiben – Förderung der Resilienz in der Schule
- Wetterfest (Arbeitsgruppe «Lebenskompetenzen stärken» 2010)
- Seiten 40–41: Wer bin ich?
- Seiten 46–47: Ich spüre mich – Selbstwahrnehmung
- Seiten 112–113: Gefühle wahrnehmen und darüber sprechen
2. Entspannung und Bewegungspausen
Zentrale Inhalte
Stress und Anspannung können zu Konzentrationsproblemen führen. Entspannungsübungen und Bewegungspausen helfen, dass sich Schüler:innen erholen und nachher wieder einfacher auf den Lernstoff einlassen und konzentrieren können.
Entspannung kann durch Körperwahrnehmungsspiele, Massage und Erholung mit Musik erreicht werden. Im Zentrum steht das Erleben der Stille. Aber auch Bewegungspausen helfen Stress abzubauen. Kinder erleben die Auswirkungen von Bewegung und Entspannung auf den Körper, was sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit und das Wohlbefinden auswirkt.
Bezüge zum Lehrplan 21
Bewegung und Sport (BS)
Die Schüler:innen
- können Körperteile isoliert bewegen (zum Beispiel Schultern, Kopf, Hüfte). (BS.3.A.1.e)
- können auf die Qualität der Bewegung und auf die Körperhaltung achten (Wie stehe ich? Wie fühlt sich die Bewegung an?). (BS.3.A.1.f)
Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG)
Die Schüler:innen
- kennen Möglichkeiten, Gesundheit zu erhalten und Wohlbefinden zu stärken (zum Beispiel Bewegung, Schlaf, Ernährung, Körperpflege, Freundschaften). (NMG.1.2.c)
- kennen präventive Vorkehrungen zur Erhaltung der Gesundheit und können diese umsetzen (zum Beispiel Hygienemassnahmen, Körperpflege, Ernährung, Bewegung). (NMG.1.2.e)
Musik (MU)
Die Schüler:innen
- können ihren Körperpuls wahrnehmen, ihren Atem sowie ihre Körperspannung mit Musik in Verbindung bringen. (MU.3.A.1g)
Empfohlene Lehrmittel
- Entspannung in der Schule (Zimmer u. Wenge 2015)
- Kapitel 2, 3 und 4.
- Bewegung in die Schule – Box (Fust 2018)
Weitere Lehrmittel: Thema Bewegung im 2. Zyklus
Webseiten mit Informationen und Unterrichtsmaterialien
3. Problemlösestrategien
Zentrale Inhalte
- Konfliktsituationen als solche erkennen und benennen können
- Lösungsvorschläge für den Umgang mit Problemen (Aushalten, Bewältigung, Hilfe holen, Minderung) suchen
- Vor- und Nachteile von Lösungen abschätzen und sich für eine Lösung entscheiden
- Angemessener Umgang mit eigenen heftigen oder unangenehmen Gefühlen
- Angemessener Umgang mit schwierigen Gefühlen anderer
Bezüge zum Lehrplan 21
Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)
Die Schüler:innen
- diskutieren und erproben Handlungsmöglichkeiten und Gewohnheiten, die Gesundheit und Wohlbefinden erhalten und fördern (S. 43). (BNE)
überfachliche Kompetenzen
Die Schüler:innen
- können sich Unterstützung und Hilfe holen, wenn sie diese benötigen.
- können Stärken und Schwächen ihres Lern- und Sozialverhaltens einschätzen. (S. 37)
überfachliche Kompetenzen
Die Schüler:innen
- können sachlich und zielorientiert kommunizieren, Gesprächsregeln anwenden und Konflikte direkt ansprechen.
- können in einer Konfliktsituation einen Konsens suchen und diesen Konsens anerkennen.
- können Konfliktsituationen, die sich nicht lösen lassen, aushalten und nach neuen Konfliktlösungsmöglichkeiten suchen; wenn nötig holen sie bei Drittpersonen Unterstützung.
- können die von der Schule bereitgestellten Hilfen nutzen und Instrumente zur gewaltfreien Konfliktlösung akzeptieren (S. 38).
Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG)
Die Schüler:innen
- lernen, Konflikte in der Gruppe fair zu lösen und können verschiedene Strategien anwenden (zum Beispiel Schlichtung, Abstimmung, Konsens). (NMG.10.1e)
Empfohlene Lehrmittel
-
Wetterfest (Arbeitsgruppe «Lebenskompetenzen stärken» 2010)
-
Seiten 252–255: Erkennen, dass Probleme allgegenwärtig sind; Lösungsansätze in Problemsituationen, unter anderem Hilfe holen.
-
-
Fairplayer 5–6 (Braun et al. 2019)
- IPSY (Weichold u. Silbereisen 2014)
5. und 6. Klasse
- Harmo-Nie? (Högger 2003)
- Teil I: Beziehungen unter Schüler:innen
Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien
| Wetterfest | Informationen zum online verfügbaren Lehrmittel |
|---|---|
| Fairplayer 5-6 |
Braun, Viola, Laura König, Anton Walcher, Stephan Warncke, und Herbert Scheithauer. 2019. Fairplayer.Manual – Klasse 5–6: Förderung von sozialen Kompetenzen – Prävention von Mobbing und Schulgewalt. Praxismanual für die Arbeit in Schulklassen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. |
| Bewegung in die Schule – Box |
Fust, Patrick. 2018. Bewegung in die Schule – Box. Herzogenbuchsee: INGOLDVerlag |
| Harmo-Nie? |
Högger, Dominique. 2014. Harmo-Nie? Zeigen unsere Schäfchen plötzlich Zähne? – Beziehungsgestaltung im schulischen Alltag. 3., angepasste Auflage. Windisch: PH FHNW, Institut Weiterbildung und Beratung. |
| Denk-Wege (vormals PFADE) | Informationen zum Programm |
| Praxisbuch Achtsamkeit |
Kaltwasser, Vera. 2016. Praxisbuch Achtsamkeit in der Schule: Selbstregulation und Beziehungsfähigkeit als Basis von Bildung. Basel und Weinheim: Beltz-Verlag. |
| Ich Du Wir | Informationen zur Lehrmittelreihe |
| MindMatters | Informationen zum Programm |
| Achtsame Schule | Rechtschaffen, Daniel. 2018. Die achtsame Schule: Leicht anwendbare Anleitungen für die Vermittlung von Achtsamkeit. Freiburg im Breisgau: Arbor Verlag. |
| IPSY | Informationen zum Spiralcurriculum |
| Entspannung in der Schule |
Zimmer, Kurt, und Kerstin Wenge. 2015. Entspannung in der Schule. Anleitungen und Beispiele. In Prävention in NRW / 65. Düsseldorf: Unfallkasse Nordrhein-Westfalen. |
Programme und Projekte
fit4futureLiteraturverzeichnis
Albrecht, Ingo, Mara Kottlow, Patric Stocker, und Holger Ziegler (2021) Pro Juventute Stress-Studie.
Zürich: Pro Juventute Schweiz.
Balsiger, Nora, und Marina Delgrande Jordan (2025) Gesundheit und Gesundheitsverhalten von 11-, 13- und 15-jährigen Jugendlichen im Jahr 2022 und Entwicklung über die Zeit: Die Schweiz im internationalen Vergleich – Ergebnisse der Studie Health Behaviour in School-aged Children (HBSC).
Forschungsbericht Nr. 176. Lausanne: Sucht Schweiz.
Delgrande Jordan, Marina, Valentine Schmidhauser, und Nora Balsiger (2023) Santé et bien-être des 11 à 15 ans en Suisse – Situation en 2022, évolution dans le temps et corrélats. Résultats de l’étude Health Behaviour in School-aged Children (HBSC).
Rapport de recherche No. 159. Lausanne: Addiction Suisse.
de Quervain, Dominique, Amanda Aerni, Ehssan Amini, Dorothée Bentz, David Coynel, Virginie Freytag, Christiane Gerhards, et al. (2020) The Swiss Corona Stress Study: Second Pandemic Wave, November 2020.
OSF Preprints. December 16.
Güntzer, Alexandra (2017) Jugendliche in der Schweiz leiden unter Leistungsdruck und Stress.
Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik 23 (2): 38–44.
Letzte Aktualisierung: 24. August 2026