Sucht
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Das Wichtigste in Kürze
Der Konsum von Genuss- und Suchtmitteln ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet (zum Beispiel Alkohol, Tabak-/Nikotinprodukte, Medikamente). Digitale Medien sind omnipräsent. Viele Kinder und Jugendliche erleben diesen Konsum und die Verwendung von digitalen Medien in ihrer Familie und im weiteren Umfeld als etwas Alltägliches – und mehrheitlich auch als etwas Unproblematisches [Delgrande Jordan, Balsiger u. Schmidhauser 2023, Delgrande Jordan u. Schmidhauser 2023, Hunold u. Papandreou 2023, Külling et al. 2022, OBSAN 2020, Suter et al. 2023, Sucht Schweiz 2024].
Mit zunehmendem Alter der Schüler:innen wird der eigene Suchtmittelkonsum ein Thema. Die Kinder und Jugendlichen sehen sich damit konfrontiert, eine eigene Position dazu und einen verantwortungsvollen Umgang damit zu entwickeln. Während der Entwicklung in Kindheit und Jugend ist der Konsum von psychoaktiven Substanzen physisch und psychisch besonders gesundheitsgefährdend, zum Beispiel für die Hirnentwicklung [Belisle u. Dixon 2020, Bühler, Thrul u. Gomes de Matos 2020, Rathmann u. Schricker 2019].
Auch bei anderen Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial (zum Beispiel Medienkonsum, Geldspiel) sind Kinder und Jugendliche gefordert, einen risikoarmen Umgang zu finden, der nicht zu negativen Folgen wie Übermüdung, Konzentrationsproblemen, Übergewicht und Vernachlässigung von privaten und schulischen Aufgaben oder realen sozialen Kontakten führt. In Bezug auf Geldspiel ist auch die Finanzkompetenz ein wichtiges Thema, da Spielsucht und Verschuldung zusammenhängen [Bundesamt für Gesundheit 2025, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium 2020, Stortz u. Perissinotto 2024, Silbereisen u. Weichold 2007].
Eine Suchtentwicklung bezüglich psychoaktiver Substanzen oder Medien zeichnet sich dann ab, wenn der Konsum zum Lebensmittelpunkt wird, auch in Gedanken, und Versuche, den Konsum einzuschränken, erfolglos bleiben oder zu Entzugserscheinungen führen [Belisle u. Dixon 2020, Sucht Schweiz 2024].
Ansätze zur schulischen Suchtprävention
Für wirksame Suchtprävention braucht es strukturelle wie auch individuelle Massnahmen: Die Verhältnisprävention (Settingansatz, strukturorientierte Suchtprävention) fokussiert die Schule als Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen und schafft die notwendigen Rahmenbedingungen. Die Verhaltensprävention (individuumsorientierte Suchtprävention) setzt bei den einzelnen Schüler:innen an [Bühler, Thrul u. Gomes de Matos 2020, Sucht Schweiz 2024, UNODC 2018].
Ziel der Verhaltensprävention in der Schule ist es,
- die Schüler:innen zu motivieren, sich gesund zu verhalten («Wollen», alle Zyklen)
- ihre überfachlichen Kompetenzen zu stärken, damit ihnen ein suchtfreies Leben gelingt («Können», alle Zyklen)
- und dazu Informationen über Risiken des Suchtmittelkonsums zu vermitteln («Wissen», ab Zyklus 2).
Damit setzt die schulische Suchtprävention auf eine aktive Auseinandersetzung der Schüler:innen mit dem eigenen Wissen, den eigenen Verhaltensweisen und Einstellungen sowie auf das Einüben von überfachlichen Kompetenzen – letztere werden in der Gesundheitsförderung auch Lebenskompetenzen genannt [Bühler, Thrul u. Gomes de Matos 2020, Högger 2018, Jerusalem u. Meixner-Dahle 2021, Kirchhoff u. Keller 2021, Onrust et al. 2016].
Dabei gilt: Die Schule kann ab dem ersten Schultag der Kinder suchtpräventiv wirken, wenn sie die Förderung der überfachlichen Kompetenzen nur schon mit Blick auf das Lernen und Zusammenleben in der Schule wahrnimmt [Durlak et al. 2022]. Wichtig ist, die sozial-emotionalen Bedürfnisse der Schüler:innen zu berücksichtigen, wie etwa das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung [Kirchhoff 2024].
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei vulnerablen Gruppen, zum Beispiel Schüler:innen aus suchtbelasteten Familien, Schüler:innen mit impulsiven, hyperaktiven oder aggressiven Verhaltenstendenzen oder der Neigung zu depressiver Stimmung oder Einsamkeitsgefühlen. Diese Kinder und Jugendlichen haben später ein höheres Risiko, eine Abhängigkeit oder andere psychische Probleme zu entwickeln oder gesundheitsgefährdende Verhaltensmuster aufzubauen [Belisle u. Dixon 2020, Infodrog 2021, Li et al. 2021, Onrust et al. 2016, Pinquart 2019, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium 2020, Sucht Schweiz 2023].
Modell zur schulischen Suchtprävention
Das Modell der Stellen für Suchtprävention des Kantons Zürich zeigt die verschiedenen Handlungsbereiche auf, innerhalb derer Schulen suchtpräventiv wirken können. Das Modell beschreibt strukturelle und individuelle Zugänge zur Suchtprävention. Es stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und ist in der Praxis erprobt.
Unterstützung durch Fachstellen
Für den Umgang mit Kindern aus suchtbelasteten Familien oder bei Verdacht auf eine Suchtgefährdung einer Schülerin oder eines Schülers empfehlen wir ein schulintern abgesprochenes Vorgehen und die Beratung durch eine Fachstelle. Die Stellen für Suchtprävention unterstützen Sie bei Ihrem Anliegen.
Elternzusammenarbeit zum Thema Sucht
Elternzusammenarbeit zum Thema Sucht ist dann wirksam, wenn die Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten aktiv und partizipativ in die schulischen Massnahmen einbezogen werden. Die Elternbildung setzt statt einer einseitigen Problemfokussierung beim Kind auf die Erziehungskompetenz dieser Bezugspersonen und vermittelt Wissen zu Genuss- und Suchtmitteln, zur Suchtentwicklung und zu Lebenskompetenzen, die suchtpräventiv wirken [Bühler, Thrul u. Gomes de Matos 2020, Suter et al. 2023, UNODC 2018].
Zentral für alle Bezugspersonen ist es, die Kinder und Jugendlichen zu beobachten und immer wieder mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dazu gehört es auch, im Sinne der Vorbildfunktion das eigene Konsum- und Nutzungsverhalten bezüglich Suchtmittel und digitalen Medien zu reflektieren [Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) 2020].
Die empfohlenen Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien geben teilweise konkrete Hinweise zur Gestaltung von Elternabenden und Elternzusammenarbeit. Die regionalen Suchtpräventionsstellen stehen gerne beratend zur Verfügung.
Kontakt
Empfohlene Webseiten
Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Fachstelle Suchtprävention Volksschule
Sucht Schweiz Informationen und Materialien zu Abhängigkeiten und Suchtmitteln.
Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte Informationen, Selbsteinschätzungen und Unterstützungsangebote zu Glücksspielsucht, Gaming, digitalen Medien, Kaufsucht und Pornografiesucht/Romance Scam.
ZFPS – Zürcher Fachstelle zur Prävention des Suchtmittelmissbrauchs Thematisch spezialisierte Fachstelle für die Prävention des Alkohol- und Medikamentenmissbrauchs sowie für Tabak-/Nikotinprävention.
Literaturverzeichnis
Bundesamt für Gesundheit (BAG) (2025) Verhaltenssüchte: Geldspiel.
Bern: Bundesamt für Gesundheit (BAG).
Belisle, Jordan, und Mark R. Dixon (2020) Behavior and Substance Addictions in Children.
Pediatric Clinics of North America 67 (3): 589–602.
Bühler, Anneke, Johannes Thrul, und Elena Gomes de Matos (2020) Expertise zur Suchtprävention 2020: Aktualisierte Neuauflage der «Expertise zur Suchtprävention 2013.
Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 52. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Delgrande Jordan, Marina, Nora Balsiger, und Valentine Schmidhauser (2023) La consommation de substances psychoactives des 11 à 15 ans en Suisse – Situation en 2022 et évolutions dans le temps – Résultats de l’étude Health Behaviour in School-aged Children (HBSC).
In: Rapport de recherche No. 149. Lausanne: Addiction Suisse.
Delgrande Jordan, Marina, und Valentine Schmidhauser (2023) Comportements en ligne des 11 à 15 ans en Suisse – Situation en 2022 et évolution récente.
Résultats de l’étude Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) (rapport de recherche No 154). Lausanne: Addiction Suisse.
Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) (2020) Mediennutzung: Modell zur Zusammenarbeit mit Eltern.
Lausanne: GREA, Fachverband Sucht, Bundesamt für Gesundheit BAG.
Högger, Dominique (2018) Förderung von Lebenskompetenzen in der Schule.
SuchtMagazin 44(4): 29–32.
Hunold, Claude, und Alexandra Papandreou (2023) Gesundheit von Schüler*innen der Stadt Zürich. Resultate der Befragung Schuljahr 2022/2023.
Zürich: Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich.
Infodrog (2021) Das multifaktorielle Modell zur Früherkennung und Frühintervention F+F. Bericht und Glossar.
Bern: Infodrog - Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht.
Jerusalem, Matthias, und Sabine Meixner-Dahle (2021) Lebenskompetenzen.
In: Psychologische Förder- und Interventionsprogramme für das Kindes- und Jugendalter, hrsg. v. Arnold Lohaus und Holger Domsch, 201–221. Berlin: Springer.
Kirchhoff, Esther (2024) Suchtprävention im Kindesalter – das Potenzial der Schule.
SuchtMagazin 50 (6): 13–18.
Kirchhoff, Esther und Roger Keller (2021) Age-Specific Life Skills Education in School: A Systematic Review.
Frontiers in Education, 6: 660878.
Külling-Knecht, Céline, Gregor Waller, Isabel Willemse, Svenja Deda-Bröchin, Lilian Suter, Pascal Streule, Nicolò Settegrana, Mirjam Jochim, Jael Bernath, und Daniel Süss (2024) JAMES – Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz. Ergebnisbericht zur JAMES-Studie 2024.
Zürich: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).
Li, Shiqi, Ping Ren, Ming Ming Chiu, Chenxin Wang, und Hao Lei (2021) The Relationship Between Self-Control and Internet Addiction Among Students: A Meta-Analysis.
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Onrust, Simone A., Roy Otten, Jeroen Lammers, und Filip Smit (2016) School-Based Programmes to Reduce and Prevent Substance Use in Different Age Groups: What Works for Whom? Systematic Review and Meta-Regression Analysis.
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Pinquart, Martin (2019) Prävention und Gesundheitsförderung im Jugendalter.
In: Prävention und Gesundheitsförderung, hrsg. v. Michael Tiemann und Melvin Mohokum, 1–15. Berlin: Springer.
Rathmann, Katharina, und Julia Schricker (2019) Gesundheit und Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen – Bedeutung und Implikationen für Prävention und Gesundheitsförderung.
In: Prävention und Gesundheitsförderung, herausgegeben von Michael Tiemann und Melvin Mohokum, 1–12. Berlin: Springer.
Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (2020) Gesundheit in der Schweiz – Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Nationaler Gesundheitsbericht 2020. Bern: Hogrefe.
Silbereisen, Rainer K., und Karina Weichold (2007) Entwicklungspsychologische Aspekte des Drogenkonsums.
In: Handbuch der Entwicklungspsychologie, hrsg. v. Marcus Hasselhorn und Wolfgang Schneider, 581–590. Göttingen: Hogrefe.
Stortz, Cédric, und Célestine Perissinotto (2024) «Problematische/Risikoreiche Bildschirmnutzung» in der Schweiz. Erkenntnisse und Empfehlungen der nationalen Expert:innengruppe «Onlinesucht». Synthesebericht 2021–2024.
Zürich und Lausanne: Nationale Expert:innengruppe «Onlinesucht».
Sucht Schweiz (2023) Kinder von Eltern mit Suchterkrankung: Was kann das Umfeld tun?
Lausanne: Sucht Schweiz.
Sucht Schweiz (2024) Schweizer Suchtpanorama 2024.
Lausanne: Sucht Schweiz.
Suter, Lilian, Jael Bernath, Isabel Willemse, Céline Külling, Gregor Waller, Patricia Skirgaila, und Daniel Süss (2023) MIKE – Medien, Interaktion, Kinder, Eltern: Ergebnisbericht zur MIKE-Studie 2021.
Zürich: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).
UNODC (2015) International Standards on Drug Use Prevention.
Vienna: United Nations Office on Drugs and Crime.
Letzte Aktualisierung: 24. August 2026