Bewegung

Bewegung und Sport sind entscheidend für die Gesundheit. Vielseitige Aktivitäten haben nicht nur einen Einfluss auf die Fitness und die körperliche Gesundheit. Regelmässige Bewegung dient auch der Stressregulation, fördert das Wohlbefinden und leistet einen Beitrag zur sozialen Integration.

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Das Wichtigste in Kürze

Kinder und Jugendliche sollen sich so viel wie möglich bewegen dürfen. Durch verschiedene körperliche Aktivitäten wird das Bewegungsrepertoire ausgebaut, was eine wichtige Voraussetzung ist für eine lebenslange positive Grundeinstellung gegenüber Bewegung und Sport.

Ausreichend Bewegung ist für die körperliche, psychische und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen von zentraler Bedeutung. Neben verbesserter Fitness wirkt sich regelmässige Bewegung günstig auf die Knochengesundheit, das Körpergewicht und das Risiko für spätere Herzkreislauf- und Stoffwechselkrankheiten aus [Delgrande Jordan et al. 2020, Schweizerisches Gesundheitsobservatorium 2020].

Ein vielseitiges Bewegungs- und Sportverhalten hat nicht nur einen Einfluss auf die körperliche Gesundheit. Regelmässige Bewegung dient der Stressregulation, fördert das Wohlbefinden und leistet einen Beitrag zur sozialen Integration [Bundesamt für Sport et al. 2013, Grabherr u. Pieth, 2007]. 

Die SOPHYA-Langzeitstudie zum Bewegungsverhalten von 6- bis 16-jährigen Kindern und Jugendlichen zeigte zudem, dass Kinder, die bereits in jungen Jahren körperlich aktiv waren, auch später im Leben aktiver blieben. Weniger aktive Kinder hingegen fanden im Jugendalter seltener Zugang zum Sport oder traten eher aus Sportvereinen aus. Ein bewegungsfreundliches Wohnumfeld spielt dabei eine wichtige Rolle: Kinder, die in einer sicheren Verkehrsumgebung wohnten oder Zugang zu Grün- und Spielflächen hatten, waren auch fünf Jahre später aktiver [Hänggi et al. 2023].

Die MOBAK-Studie (Monitoring motorischer Basiskompetenzen bei Kindergartenkindern in der Schweiz) untersucht die motorische Entwicklung von Kindergarten- und Primarschulkindern. Motorische Basiskompetenzen sind jene Kompetenzen, die Schüler:innen mindestens benötigen, um sportliche Bewegungshandlungen ausführen und nachvollziehen zu können. Sind diese Kompetenzniveaus zu gering ausgeprägt, ist die motorische Handlungsfähigkeit der Kinder entsprechend eingeschränkt, was die soziale Integration erschwert. Durch eine regelmässige Erfassung der motorischen Basiskompetenzen können Defizite erkannt und ein potenzieller Entwicklungsbedarf frühzeitig identifiziert werden. Zudem können die Kinder mit gezielten Angeboten beim Erwerb und Ausbau motorischer Basiskompetenzen gefördert werden [Herrmann et al. 2022, Kühnis et al. 2019].

Bewegungsempfehlungen

Gemäss den neuen Bewegungsempfehlungen des Bundesamts für Sport (BASPO) [Bundesamt für Sport et al. 2022] wird Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 17 Jahren empfohlen, sich über die Woche verteilt im Durchschnitt mindestens 60 Minuten (1 Stunde) pro Tag mit mittlerer bis hoher Intensität zu bewegen. Dazu gehören Aktivitäten wie Spielen (drinnen oder draussen), Rennen, Radfahren, Inlineskaten sowie Alltagsaktivitäten. Je mehr Bewegung, desto besser. Ein spezieller Fokus wird neu auch auf das langandauernde Sitzen gelegt. Dies sollte begrenzt und regelmässig unterbrochen werden.

An mindestens 3 Tagen pro Woche sollte Bewegung und Sport mit hoher Intensität integriert werden inklusive solche, die Muskeln und Knochen stärken (zum Beispiel Jogging, Herumrennen, Seilspringen, zügiges Velofahren und Biken, intensives Schwimmen, Ballspiele, Tanzen).

Mögliche unerwünschte Nebenwirkungen von körperlicher Aktivität sind Unfälle, sei es zum Beispiel im Sportunterricht, beim Velofahren oder beim Baden. Deshalb sind Risikobegrenzung, Unfallprävention und eine fachgerechte Ausbildung samt korrekter Ausrüstung Bestandteil moderner Gesundheitsförderung [Bundesamt für Sport et al. 2013].

Ansätze zur schulischen Bewegungsförderung

Die Schule ist ein idealer Ort für eine nachhaltige Bewegungsförderung, da alle Kinder und Jugendlichen während der Schulzeit von vielfältigen Bewegungs- und Sportmöglichkeiten profitieren können. Deshalb hat das BASPO zusammen mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), dem Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer (LCH) und dem Schweizerischen Verband für Sport in der Schule (SVSS) das Schweizer Modell der Bewegten Schule entwickelt [Brägger et al. 2008, Brägger et al. 2017, Bundesamt für Sport 2016, Hildebrandt-Stramann 2007].

Eine erweiterte Perspektive der Bewegten Schule stellt das Modell der «Bewegungsfreundlichen Schule» dar. Im Fokus steht die Förderung eines bewegungsfreundlichen Umfelds. Das Modell zeigt auf, wie der Alltag der Kinder und Jugendlichen bewegungsfreundlicher gestaltet werden kann.

Dieser Settingansatz erleichtert den Schulen mit einer Fülle von Ideen, Massnahmen oder Programmen die Einbettung der täglichen Bewegung in den Schulalltag und veranschaulicht die Zeitgefässe, in denen Bewegung möglich ist. Verschiedene Projekte zeigen auf, wie Bewegung vermehrt in den Lebensalltag eingebaut werden kann und das System Schule dabei einen wichtigen Einfluss auf die Bewegungserziehung und -förderung der Kinder und Jugendlichen hat (vgl. Lernobjekt «Bewegte Schule», Projekte für mehr Bewegung im Alltag; sportartspezifische Bewegungsprojekte). Bewegung wird als Schlüssel für nachhaltig wirksame Lernprozesse gewürdigt und sollte von möglichst allen Lehrpersonen sowie der Schulleitung mitgetragen und unterstützt werden.

Wer sich Gedanken zum Thema Bewegung im Schulalltag macht, begegnet auch der Metapher vom «Raum als dritter Pädagoge». Der Raum bietet den Kindern einerseits Geborgenheit und Sicherheit, andererseits fordern die Räume und ihre Materialien zu Neuem heraus. Die Gestaltung des Innen- und Aussenraumes einer Schule beeinflusst die Schulorganisation, den Unterricht und das Wohlbefinden von Schüler:innen sowie Lehrpersonen [Schäfer u. Schäfer 2009].

In den Bildungszielen des Lehrplans 21 wird festgehalten, dass Schüler:innen «über vielfältige Bewegungserfahrungen die Sensibilität für ihren Körper vertiefen und lernen, ihn differenziert wahrzunehmen … Herausfordernde Bewegungsaufgaben und Erfolgserlebnisse unterstützen und fördern die natürliche kindliche Bewegungslust und Spielfreude. Die Schülerinnen und Schüler erleben und erfahren die Bedeutung von Bewegung für Wohlbefinden und Gesundheit» [Bildungsdirektion des Kantons Zürich 2017, 26]. Konkret bedeutet dies, den Schülerinnen und Schülern Informationen über gesundheitswirksame Bewegung zu vermitteln («Wissen»), sie für mehr Bewegung zu motivieren («Wollen»), und ihnen fachliche und überfachliche Kompetenzen auf den Weg zu geben, wie sie ihren Alltag bewegungsfreundlich gestalten können («Können»).

Lernobjekt «Bewegte Schule»

Das Lernobjekt der PH Zürich gibt einen Überblick über die Bewegung als Gestaltungsprinzip von Schulentwicklung. Anhand von Modellen und Forschungsberichten wird die Bedeutung und der Nutzen von täglicher Bewegung aufgezeigt.

Sowohl die allgemeinen als auch die sportartspezifischen Bewegungsprojekte in der Schweiz zeigen eine Vielfalt von Umsetzungshilfen, wie Bewegung vermehrt in den Schulalltag integriert werden kann.

Elternzusammenarbeit zum Thema Bewegung

Auf der Webseite der Schweizerischen Gesundheitsstiftung Radix finden sich Broschüren und hilfreiche Links mit Filmen, Downloads und weiterführenden Ideen, die zu einer erfolgreichen Elternzusammenarbeit beitragen.

Das Projekt «fit4future» bietet zudem Elternabende an. Eine Fachperson referiert während rund einer Stunde, geht auf Fragen der Eltern ein und gibt Tipps für den Alltag zu Hause.

Kontakt

Porträtfoto von Elisabeth Mächler-Cuendet

+41 43 305 64 81

Empfohlene Webseiten

Literaturverzeichnis

  • Bildungsdirektion des Kantons Zürich (2017) Lehrplan für die Volksschule des Kantons Zürich auf der Grundlage des Lehrplans 21.

    Zürich: Bildungsdirektion des Kantons Zürich.

  • Brägger, Gerold, Georg Israel, und Norbert Posse (2008) Bildung und Gesundheit. Argumente für gute und gesunde Schulen.

    Mit Beiträgen von H.-G. Rolff; B. Sieland; K. Hurrelmann; B. Badura, G. Brägger, B. Bucher, N. Posse u.a. Bern: hep- Verlag.

  • Brägger, Gerold, Heinz Hundeloh, Norbert Posse, und Hermann Städtler (2017) Bewegung und Lernen. Konzept und Praxis Bewegter Schulen.

    Weinheim: Beltz.

  • Bundesamt für Sport (BASPO) (2016) Die Bewegte Schule. Erläuterungen zum Schweizer Modell.

    Magglingen: Bundesamt für Sport (BASPO). 

  • Bundesamt für Sport (BASPO), Bundesamt für Gesundheit (BAG), Gesundheitsförderung Schweiz, Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), Suva, und Netzwerk Gesundheit und Bewegung (hepa.ch) (2013) Gesundheitswirksame Bewegung. Grundlagendokument.

    Magglingen: Bundesamt für Sport (BASPO). 

  • Bundesamt für Sport (BASPO), Bundesamt für Gesundheit (BAG), Gesundheitsförderung Schweiz, Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), und Netzwerk Gesundheit und Bewegung (hepa.ch) (2022) Bewegungsempfehlungen Schweiz. Grundlagen.

    Magglingen: Bundesamt für Sport (BASPO).

  • Bürgi, Rahel, Markus Lamprecht, Hanspeter Stamm, und Schweizer Sportobservatorium (2021) Sport Schweiz 2020: Factsheets Sportarten.

    Magglingen: Bundesamt für Sport BASPO. 

  • Delgrande Jordan, Marina, Eva Schneider, Yvonne Eichenberger, Andrea Kretschmann, Valentine Schmidhauser, Sophie Masseroni (2020) Habitudes alimentaires, activité physique, statut pondéral et image du corps chez les élèves de 11 à 15 ans en Suisse – Résultats de l’enquête «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC) 2018 et évolution au fil du temps.

    In: Rapport de recherche No. 109. Lausanne: Addiction Suisse. 

  • Grabherr, Matthias, und Jenny Pieth (2007) Begegnung durch Bewegung – Handbuch für den Unterricht.

    Magglingen: Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen EHSM.

  • Hänggi, Johanna, Bettina Bringolf-Isler, Bengt Kayser, Suzanne L. Suggs, und Nicole Probst-Hensch (2023) SOPHYA-Studie – Resultate zum Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz.

    Allschwil: Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH).

  • Herrmann, Christian, Kathrin Bretz, Jürgen Kühnis, Harald Seelig, Roger Keller, Simone Storni, Nicolas Voisard, Flavio Rossi, und Ilaria Ferrari (2022) Monitoring motorischer Basiskompetenzen von Kindergartenkindern in der Schweiz: Abschlussbericht MOBAK-Monitoring 2021.

    Zürich: Pädagogische Hochschule Zürich.

  • Hildebrandt-Stramann, Reiner. (2007) Bewegte Schule – Schule bewegt gestalten (Basiswissen Didaktik des Bewegungs- und Sportunterrichts).

    Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren.

  • Kühnis, Jürgen, Ilaria Ferrari, Désirée Fahrni, und Christian Herrmann (2019) Motorische Basiskompetenzen von 4- bis 6-Jährigen in der Schweiz – Eine vergleichende Untersuchung in Regel- und Bewegungskindergärten.

    Swiss Sports & Exercise Medicine, online first 67 (2): 54–58.

  • Schäfer, Gerd E., und Lena Schäfer (2009) Der Raum als dritter Erzieher.

    In: Schularchitektur im interdisziplinären Diskurs: Territorialisierungskrise und Gestaltungsperspektiven des schulischen Bildungsraums, hrsg. v. Jeanette Böhme, 235–248. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

  • Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan) (2020) Schweizer Monitoring-System Sucht und nichtübertragbare Krankheiten (MonAM) – Ernährung, Bewegung, Übergewicht.

    Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan).

  • Swiss Olympic, Patrick Fust, und Bundesamt für Sport (BASPO) (2019) Schule bewegt – ein Engagement von Swiss Olympic.

    Bern: Swiss Olympic.

Letzte Aktualisierung: 24. August 2026