Bewegung im 3. Zyklus

Im Jugendalter steigt die Tendenz zur körperlichen Inaktivität. Daher ist das Hauptziel, den Schüler:innen die Bedeutung von Bewegung und Entspannung für Wohlbefinden und Gesundheit aufzuzeigen und sie zu motivieren, sich ausreichend zu bewegen, aber auch Entspannungspausen einzulegen.

Inhalt dieser Seite

Aktuelle Zahlen

Auf der Sekundarstufe nimmt das Bewegungsbedürfnis vieler Jugendlicher im Durchschnitt ab und die physische Inaktivität entsprechend zu. Regelmässige Bewegung ist eine Grundvoraussetzung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Daher verlangt die Bewegungsförderung in der Adoleszenz eine erweiterte Perspektive: Aktive Bewegungsmöglichkeiten sollen sich nicht nur auf den Sportplatz und die Turnhalle beschränken, sondern auch auf dem Schulweg und im Schulzimmer ermöglicht werden [Stamm et al. 2020].

Jugendliche sollten sich mindestens eine Stunde pro Tag bei mittlerer bis hoher Intensität bewegen.[Bundesamt für Sport et al. 2022] Eine Studie aus dem Jahr 2014 mass elektronisch, wie lange Kinder und Jugendliche an einem Tag bei mittlerer bis hoher Intensität körperlich aktiv waren. Die 12- bis 13-jährigen Jugendlichen bewegten sich durchschnittlich 59 Minuten, die 14- bis 16-Jährigen noch 46 Minuten [Schweizerisches Gesundheitsobservatorium 2020]. In der HBSC-Studie aus dem Jahr 2018 bei Schweizer Jugendlichen im Alter von 13 bis 15 Jahren gaben mehr als 20 Prozent der Befragten an, in der vorangehenden Woche an sechs bis sieben Tagen mindestens 60 Minuten körperlich aktiv gewesen zu sein. Über die Hälfte der Jugendlichen berichtete, dass dies an drei bis fünf Tagen pro Woche der Fall war. Knapp 10 Prozent bewegten sich an keinem oder nur einem der sieben Tage gemäss Bewegungsempfehlungen. Rund 90 Prozent der Jugendlichen gaben zudem an, mindestens einmal wöchentlich ausserhalb der Schule Sport zu treiben. Jungen waren körperlich aktiver als Mädchen [Delgrande Jordan et al. 2020].

Im dritten Zyklus wird auch der Zusammenhang zwischen dem Bewegungsverhalten und dem Körpergewicht deutlich: Jugendliche, die sich häufiger bewegen, sind seltener von Übergewicht betroffen, da sie mehr Energie verbrauchen als Jugendliche, die sich weniger bewegen. Dieser Zusammenhang kann allerdings auch umgekehrt interpretiert werden: Jugendliche, die übergewichtig oder adipös sind, bewegen sich weniger als Jugendliche mit Normalgewicht [Stamm et al. 2020].

Die Akzeptanz des Körpergewichts und des eigenen Aussehens stellt zudem eine bedeutsame Entwicklungsaufgabe im Jugendalter dar. Neben der Familie und der Schule bilden vor allem die Peergruppen ein entscheidendes Sozialisationsumfeld. Dieses Umfeld prägt, zusammen mit kulturellen und medialen Vorbildern, das gesundheitliche Verhalten und das Körperselbstbild wesentlich mit [Oerter u. Dreher 2008]. Gemäss der HBSC-Studie aus dem Jahr 2018 sind rund die Hälfte der 13- bis 15-jährigen Jugendlichen mit ihrem Gewicht zufrieden. Mädchen sind unzufriedener mit ihrem Körpergewicht und ihrer Körpererscheinung als Jungen. Etwa 17 Prozent der Schüler:innen nehmen sich als zu dünn und ein Drittel als zu dick wahr. Weiter geben knapp 15 Prozent an, Massnahmen zur Gewichtsoptimierung ergreifen zu wollen. Mädchen stimmen dieser Aussage stärker zu als Jungen [Delgrande Jordan et al. 2020]. In einer Stadtzürcher Studie aus dem Schuljahr 2022/​2023 bei Schüler:innen der zweiten Sekundarklasse wurde deutlich, dass sich der Druck, einer idealisierten Schönheitsnorm zu entsprechen, bei Jugendlichen weiter verstärkt hat: nach schulischem Druck und bevorstehender Berufswahl ist das Gewicht und die Körperform sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen zur drittgrössten Sorge geworden. Unter den Jugendlichen, die abnehmen wollten, berichteten 79 Prozent der Jungen und 62 Prozent der Mädchen, dass sie Sport treiben, um dieses Ziel zu erreichen (nebst möglicherweise anderen Massnahmen) [Hunold u. Papandreou 2023].

Wichtige Themen

Hinweis

Der Fachbereich Bewegung und Sport als eigenständiger Teil des Lehrplans 21 wird in den Planungshilfen nicht aufgeführt und erläutert.

Im Folgenden werden drei Themen aufgeführt, die im dritten Zyklus wichtig sind. Für jedes Thema werden Bezüge zum Lehrplan 21 hergestellt sowie empfohlene Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien aufgelistet.

Zentrale Inhalte

Im Zentrum stehen folgende Aspekte:

  • Erkennen von positiven Auswirkungen von Bewegung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden
  • Sammeln von vielfältigen Bewegungs- und Körpererfahrungen und dabei lernen, das persönliche Wohlbefinden und die eigene Leistungsfähigkeit zu unterstützen

Bezüge zum Lehrplan 21

Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)
  • «Gesundheit umfasst das physische, psychische und soziale Wohlbefinden des Menschen. Die Schüler:innen lernen zunehmend, Mitverantwortung für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit zu übernehmen. Dafür erwerben sie Wissen über den menschlichen Körper, dessen Funktionsweise und über verschiedenste Faktoren, die Wohlbefinden und Gesundheit beeinflussen. Dazu gehören Bereiche wie Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit, soziale Netze, Sexualität, Partnerschaft, Sucht und Gewalt» (S. 43). (BNE)
Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH)

Die Schüler:innen

  • können den Zusammenhang unterschiedlicher Einflüsse auf die Gesundheit erklären (zum Beispiel Ernährung, Bewegung, Entspannung, Körperhaltung, Arbeitsbedingungen, Belastungen). (WAH.4.1.a)
  • können im Alltag Bedingungen, Situationen und Handlungsweisen erkennen und benennen, die für die Gesundheit eine förderliche bzw. abträgliche Wirkung haben (zum Beispiel Genuss, Sucht, Bewegung). (WAH.4.1.b)

Empfohlene Lehrmittel

Webseiten mit Informationen und Unterrichtsmaterialien

Zentrale Inhalte

Lehrpersonen messen der Bewegung im Schulalltag einen hohen Stellenwert bei. 30 Minuten Unterricht und 15 Minuten Bewegung führen zu grösseren Lernerfolgen als 45 Minuten Frontalunterricht. Zudem richten sie ihre Schulzimmer bewegungsfreundlich ein. Weiter realisieren Lehrpersonen oder Teams eigene Vorhaben, zum Beispiel Sporttage, Wanderungen oder koordinative Lernprojekte.

Im Zentrum stehen folgende Aspekte:

  • Lernen, die eigenen Bewegungsbedürfnisse wahrzunehmen und Bewegungsmöglichkeiten zu nutzen
  • Motivation aufbringen, Bewegung in den Alltag zu integrieren
  • Freude an körperlichen Aktivitäten entwickeln und erhalten

Bezüge zum Lehrplan 21

Bewegung und Sport (BS), Bedeutung und Zielsetzungen
  • «Bewegung und Sport unterstützt Schulen darin, sich ein bewegungsfreundliches und gesundheitsförderndes Schulprofil zu geben. Im Schulalltag muss dem natürlichen Bewegungsbedürfnis der Kinder und Jugendlichen Rechnung getragen werden. Durch regelmässiges Bewegen fördert die Schule die Entwicklung und das Lernen der Schüler:innen.
    Lehrpersonen können durch Impulse zu einer aktiven Pausengestaltung beitragen sowie die Anliegen einer bewegten Schule unterstützen. Eine bewegungsförderliche Schule zeichnet sich durch freiwillige Schulsportangebote aus, die auch in Tagesstrukturen integriert werden und als Bindeglied zum Vereinssport dienen können.
    Über den Unterricht hinaus werden Sportanlässe und -lager durchgeführt. Die Schüler:innen können erworbene Fertigkeiten erweitern und anwenden oder in einem sportlichen Wettbewerb bestehen. Gleichzeitig ermöglichen solche Anlässe Gemeinschaftserlebnisse, welche die Identifikation mit der Schulgemeinschaft fördern» (S. 430).

Bedeutung von Bewegung und Sport

Überfachliche Kompetenzen (ÜK)

Die Schüler:innen

  • können ihre Interessen und Bedürfnisse wahrnehmen und formulieren.
  • können einen geeigneten Arbeitsplatz einrichten, das eigene Lernen organisieren, die Zeit einteilen und bei Bedarf Pausen einschalten (S. 37).

ÜK: Personale Kompetenzen

Religionen, Kultur, Ethik (RKE)

Die Schüler:innen

  • kennen Möglichkeiten, mit Spannungssituationen und Stress umzugehen (zum Beispiel Pausengestaltung, Bewegung). (RKE.5.1.b)
Musik (MU)

Die Schüler:innen

  • können Bewegungs- und Tanzausschnitte und charakteristische Tanzfiguren in musikalischen Projekten einsetzen (zum Beispiel in einem Musical). (MU.3.C.1.j)

Empfohlene Lehrmittel

Webseiten mit Informationen und Unterrichtsmaterialien

Zentrale Inhalte

Entspannung kann durch Körperwahrnehmungsspiele, Massagen und Erholung mit Musik erreicht werden.

Im Zentrum stehen folgende Aspekte:

  • Momente der Stille erleben und sich erholen
  • Verschiedene Entspannungsübungen und deren Auswirkungen erleben

Bezüge zum Lehrplan 21

Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH)

Die Schüler:innen

  • können den Zusammenhang unterschiedlicher Einflüsse auf die Gesundheit erklären (zum Beispiel Ernährung, Bewegung, Entspannung, Körperhaltung, Arbeitsbedingungen, Belastungen). (WAH.4.1.a)
Religionen, Kultur, Ethik (RKE)

Die Schüler:innen

  • kennen Möglichkeiten, mit Spannungssituationen und Stress umzugehen (zum Beispiel Pausengestaltung, Bewegung). (RKE.5.1.b)

Empfohlene Lehrmittel

Entspannung in der Schule (Zimmer u. Wenge 2015)

  • Kapitel 2, 3 und 4.

Webseiten mit Informationen und Unterrichtsmaterialien

Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien

Bewegung und Lernen Brägger, Gerold, Heinz Hundeloh, Norbert Posse, und Hermann Städtler. 2017. Bewegung und Lernen. Konzept und Praxis Bewegter Schulen. Weinheim: Beltz.
Wer sich bewegt, hat gut lachen! Egger, Patrick. 2009. Wer sich bewegt, hat gut lachen! Rohrschach: Lehrmittelverlag St. Gallen.
Körper und Lernen Högger, Dominique. 2013. Körper und Lernen. Alle Stufen: mit Bewegung, Körperwahrnehmung und Raumorientierung das Lernen unterstützen. 1. Aufl. Bern: Schulverlag plus.
Tippfit: Bewegung verstehen – erleben – geniessen Imhof-Hänecke, Christine, Alexa Partoll, und Thomas Wyss. 2006. Tippfit: Bewegung verstehen – erleben – geniessen. Bern: Schulverlag plus AG.
Bewegungspausen Müller, Urs, und Jürg Baumberger. 2008. Bewegungspausen – konzentriert und leistungsfähig dank bewegten Pausen. Horgen: bm-sportverlag.ch.
Entspannung in der Schule

Zimmer, Kurt, und Kerstin Wenge. 2015. Entspannung in der Schule. Anleitungen und Beispiele. In Prävention in NRW / 65. Düsseldorf: Unfallkasse Nordrhein-Westfalen. Zugriff 24.8.2025.

Zur Materialiensammlung

Weitere Unterrichtsmaterialien

Programme und Projekte

Das Projekt «Schule bewegt» von Swiss Olympics leistet einen wertvollen Beitrag zur Gesundheit.

Mit dem vielseitigen Bewegungsprogramm bietet es den Lehrpersonen Unterstützung bei der Integration von Bewegung in den Unterricht. Durch die aktivierenden und beruhigenden Bewegungsaufgaben von «Schule bewegt» können sowohl Lehrpersonen als auch Schüler:innen selbst Arbeitsphasen mit gezielten Unterbrechungen auflockern.

GORILLA ist ein Gesundheitsförderungs- und Bildungsprogramm. Mit Freestyle-Sportarten und durch junge Instruktor:innen wird die Freude an Bewegung, gesunder Ernährung und einem nachhaltigen Lebensstil in Tagesworkshops weitergegeben. Angesprochen werden Jugendliche der Oberstufenschule.

Lernvideos ergänzen das Angebot und richten sich direkt an die Jugendlichen, damit diese auch ausserhalb der Schule die Sportarten erlernen können.

Zusätzlich bietet das GORILLA Schulprogramm Unterrichtslektionen an, unter anderem für die Fachbereiche WAH und BS. Die Lektionen orientieren sich am Lehrplan 21 und lassen sich fächerübergreifend behandeln.

MidnightSports Veranstaltungen finden wöchentlich am Samstagabend zwischen 21 und 24 Uhr statt und werden von einem Team aus Jugendlichen und Erwachsenen gemeinsam organisiert und betreut. Wichtig: Regelmässigkeit des Angebots. Zielgruppe meist ab 13 oder 14 Jahren.

Spiele wie Streetsocker, Basketball oder Volleyball werden in wechselnder Teamzusammensetzung und ohne Schiedsrichter:in ausgetragen. Auch ein Tanzbereich steht zur Verfügung. Zusammen mit Tischfussball, Tischtennis und Verpflegung sind die Midnight Veranstaltungen auch ein attraktiver sozialer Treffpunkt.

Literaturverzeichnis

  • Bundesamt für Sport (BASPO), Bundesamt für Gesundheit (BAG), Gesundheitsförderung Schweiz, Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), und Netzwerk Gesundheit und Bewegung (hepa.ch) (2022) Bewegungsempfehlungen Schweiz. Grundlagen.

    Magglingen: Bundesamt für Sport (BASPO).

  • Delgrande Jordan, Marina, Eva Schneider, Yvonne Eichenberger, Andrea Kretschmann, Valentine Schmidhauser, Sophie Masseroni (2020) Habitudes alimentaires, activité physique, statut pondéral et image du corps chez les élèves de 11 à 15 ans en Suisse – Résultats de l’enquête «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC) 2018 et évolution au fil du temps.

    In: Rapport de recherche No. 109. Lausanne: Addiction Suisse. 

  • Hunold, Claude, und Alexandra Papandreou (2023) Gesundheit von Schüler*innen der Stadt Zürich. Resultate der Befragung Schuljahr 2022/2023.

    Zürich: Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich. 

  • Oerter, Rolf, und Eva Dreher (2008) Jugendalter.

    In: Entwicklungspsychologie, hrsg. v. Rolf Oerter und Leo Montada, 271–332. Weinheim: Beltz.

  • Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan) (2020) Schweizer Monitoring-System Sucht und nichtübertragbare Krankheiten (MonAM) – Ernährung, Bewegung, Übergewicht.

    Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan).

  • Stamm, Hanspeter, Ceschi, Michela, Angela Gebert, Lisa Guggenbühl, Susanne Stronski Huwiler, Sandra Walter, Eva Würfel (2020) Monitoring der Gewichtsdaten der schulärztlichen Dienste der Städte Basel, Bern und Zürich.

    In: Faktenblatt 42. Bern und Lausanne: Gesundheitsförderung Schweiz. 

Letzte Aktualisierung: 24. August 2026