Medien im 1. Zyklus
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Wichtige Themen
Gemäss Elternauskünften in der ADELE+ Studie zählten im Jahr 2020 Spielen, Sport und kreative Betätigungen ohne Medien zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen ihrer 4- bis 6-jährigen Kinder. Im Durchschnitt verbrachten diese über 5 Stunden täglich mit diesen aktiven Tätigkeiten. Bildschirmmedien wurden im Durchschnitt rund eine Stunde täglich genutzt, insbesondere der Fernseher. Auch weitere «klassische» Medien wie (Bilder-)Bücher, Radio und Hörspiele kamen täglich oder fast täglich zum Zuge, zum Beispiel wenn die Kinder Geschichten anschauten oder vorgelesen bekamen oder Musik hörten [Bernath et al. 2020].
Gemäss der MIKE-Studie aus dem Jahr 2021 erweitern sich ab Beginn des Primarschulalters die Freizeitaktivitäten der Kinder. Nebst dem Spielen drinnen und draussen, dem Treffen von Freund:innen oder dem Basteln und Malen kommt bei vielen Kindern das Sporttreiben dazu. Auch für die 6- bis 9-jährigen Kinder ist der Fernseher das am häufigsten genutzte Medium. Ein Teil der Kinder nutzt über das Alter zunehmend auch das Internet, meist über das Handy oder Tablet eines anderen Familienmitglieds, um Videos oder Filme zu schauen, Musik oder Podcasts zu hören oder auch zu gamen [Suter et al. 2023].
Im kindlichen Spiel, über die Sprache und andere Ausdrucksmöglichkeiten eignen sich Kinder die Wirklichkeit an und gestalten sie mit. Sie bilden sich eine Vorstellung von der Welt. Die medialen Inhalte prägen dieses Weltverständnis der Kinder mit. Kompetenzen im Umgang mit Medien erlangen Kinder im Zyklus 1 damit entsprechend ihren Interessen und ihrem Entwicklungsstand am besten über aktive, sinnliche Erfahrungen, kreativ und spielerisch sowie im gemeinsamen Gespräch mit anderen Kindern und Erwachsenen. Über diese Ausdrucksformen wird es auch möglich, die kindliche Vorstellung von der Welt zu verstehen, von ihren Erfahrungen und Emotionen während der Nutzung der Medien zu erfahren und diese mit ihnen (altersangemessen) zu reflektieren [Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) 2020, Nationale Plattform Jugend und Medien u. ZHAW 2024, Tilemann u. Eder 2019].
Selbst wenn Kinder noch kein grosses Interesse an digitalen Medien zeigen, können in den ersten Jahren der Volksschule wichtige personale und soziale Kompetenzen gestärkt werden, welche später den gesunden und verantwortungsvollen Umgang mit Medien unterstützen und damit vorbeugend gegen eine riskante Mediennutzung wirken. Dazu gehören beispielsweise die Stärkung des Selbstwertes, der positiven Beziehungsgestaltung und der Empathiefähigkeit sowie der konstruktive Umgang mit Gefühlen und die Selbstregulation im Umgang mit der Mediennutzung [Kirchhoff 2024].
Im Folgenden werden zwei Themen aufgeführt, die im ersten Zyklus wichtig sind. Für jedes Thema werden Bezüge zum Lehrplan 21 hergestellt sowie empfohlene Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien aufgelistet.
1. Umgang mit Gefühlen
Zentrale Inhalte
Über die Wahrnehmung treten Kinder mit sich selbst und ihrer Lebenswelt in Kontakt. Sie nehmen sich selbst, ihren Körper, die Mitmenschen und die Umwelt über die verschiedenen Sinne wahr und verarbeiten diese Eindrücke, oft auch begleitet von Gefühlen.
Kinder werden im Unterricht darin unterstützt, angenehme und unangenehme Gefühle – auch bei der Mediennutzung – zu unterscheiden und zu reflektieren (Körpersignale, Gedanken, Situationen). Die Schüler:innen entwickeln wirksame Strategien im Umgang mit unangenehmen Gefühlen und probieren diese aus.
Bezüge zum Lehrplan 21
überfachliche Kompetenzen
Die Schüler:innen
- können eigene Gefühle wahrnehmen und situationsangemessen ausdrücken.
- können ihre Interessen und Bedürfnisse wahrnehmen und formulieren.
- drücken mit ihrem Körper Gefühle und Empfindungen aus.
Natur Mensch Gesellschaft (NMG)
Die Schüler:innen
- können anhand von Beispielen (zum Beispiel in Geschichten) Gefühle und Interessen beschreiben und Unterschiede und Gemeinsamkeiten benennen. (NMG.1.1.b)
- können subjektives Wohlbefinden beschreiben und mit Erfahrungen verbinden (zum Beispiel Situationen der Freude, Aktivität, Ruhe, Zufriedenheit). (NMG.1.2.a)
Medien und Informatik (MI)
Die Schüler:innen
- können benennen, welche unmittelbaren Emotionen die Mediennutzung auslösen kann (zum Beispiel Freude, Wut, Trauer). (MI. 1.2b)
- können sich über Erfahrungen in ihrer unmittelbaren Umwelt, über Medienerfahrungen sowie Erfahrungen in virtuellen Lebensräumen austauschen und über ihre Mediennutzung sprechen (zum Beispiel Naturerlebnis, Spielplatz, Film, Fernsehen, Bilderbuch, Hörspiel, Lernprogramm). (MI. 1.1a)
- verstehen einfache Beiträge in verschiedenen Mediensprachen und können darüber sprechen (Text, Bild, alltägliches Symbol, Ton, Film). (MI.1.2.a)
Empfohlene Lehrmittel
- Medienboxen Kindergarten (Stadt Winterthur, Abteilung SCHUCOM, Suchtprävention 2019)
KG: ja, 1./2. Klasse: ja- Die Medienboxen thematisieren die vier Medien Bild/Foto, Film, Ton und Maschine/Computer. In spielerischer und kreativer Weise lernen die Kinder deren Funktionsweise und Wirkung kennen und reflektieren u.a. die emotionalen Erfahrungen.
- MIA im Kindergarten (Kern und Schild 2021)
KG: ja, 1./2. Klasse: ja
Das Lehrmittel regt über ein Wimmelbild, Hörbeiträge und weitere Aufträge die Weiterentwicklung der Kompetenzen im Umgang mit Medien an.- Karte 1: Austausch über Alltagserfahrungen mit und ohne Medien
- Karte 4: Bei der Mediennutzung ausgelöste Emotionen erkennen
- MIA in der 1. und 2. Klasse (Kern und Schild 2020)
KG: nein 1./2. Klasse: ja
Das Lehrmittel regt über Wimmelbilder, Hörbeiträge und weitere Aufträge die Weiterentwicklung der Kompetenzen im Umgang mit Medien an.- Karte 42: Austausch über Emotionen bei der Mediennutzung
- Karte 71: Austausch über emotionale Medienerlebnisse
- Karte 83: Emotionale Erlebnisse besprechen
- Wetterfest (Arbeitsgruppe «Lebenskompetenzen stärken» 2010)
KG: ja, 1./2. Klasse: ja
Die folgenden Unterrichtsanregungen dienen allgemein der Förderung der überfachlichen Kompetenzen. Die Inhalte können gut auf die Mediennutzung übertragen werden.- Seiten 106–108: Gefühle, Gefühle … ich zeige sie her
- Seiten 106–110: Wohin mit meiner Wut
- Seiten 317–320: Trauer und Traurigkeit; in schwierigen Situationen im Leben durchhalten
- Ich du wir Konsum (Kaufmann et al. 2015)
KG: ja, 1./2. Klasse: ja
Die Ich-du-wir-Reihe führt über themenzentriertes Theater durch verschiedene Themen.- Karten 9, 10, 11, 12: Motive, Bedürfnisse, Wünsche.
2. Beziehungsgestaltung und Empathiefähigkeit
Zentrale Inhalte
Kinder im 1. Zyklus erleben das Sich-Einfügen in eine grössere Gruppe von Gleichaltrigen, erfahren unterschiedliche Beziehungen und lernen, diese zu gestalten. Sie lernen, Interessen und Wünsche anderer Kinder zu berücksichtigen, zu kooperieren und Konflikte mit und ohne Unterstützung von Erwachsenen zu lösen.
Diese direkten und physischen Erfahrungen der Beziehungsgestaltung im Unterricht sind wichtige Grundpfeiler für die Beziehungsgestaltung innerhalb der digitalen Medien, zum Beispiel in Whatsapp-Chats oder Foren.
Auch das Einfühlen in Geschichten oder (mediale) Figuren kann eine Möglichkeit sein, die Empathiefähigkeit zu fördern und sich auf die Kommunikation via Medien vorzubereiten.
Bezüge zum Lehrplan 21
überfachliche Kompetenzen
Die Schüler:innen
- können sich in die Lage einer anderen Person versetzen und sich darüber klar werden, was diese Person denkt und fühlt.
- können auf Meinungen und Standpunkte anderer achten und im Dialog darauf eingehen.
- können je nach Situation eigene Interessen zu Gunsten der Zielerreichung in der Gruppe zurückstellen oder durchsetzen.
Deutsch (D)
Die Schüler:innen
- können in vertrauten Kommunikationssituationen Stimmungen wahrnehmen (zum Beispiel emotionale Verletzung, Betroffenheit, Wut, Ärger, Freude). (D.1.C.1c)
- können ihren Gesprächsbeitrag in einem Gespräch passend einbringen (zum Beispiel auf andere eingehend, nicht verletzend). (D.3.C.1c)
Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG)
Die Schüler:innen
- können in Konflikten angeleitet eigene Bedürfnisse und Befindlichkeiten formulieren und jene von anderen wahrnehmen. Verbindlich: Gesprächsregeln, Mobbing. (NMG.10.1b)
- können in Geschichten und Berichten menschliche Grunderfahrungen entdecken (zum Beispiel Gelingen, Scheitern, Angst, Geborgenheit), haben die Gelegenheit über vergleichbare Erfahrungen zu berichten und dazu Fragen zu stellen. (NMG.11.1a)
Medien und Informatik (MI)
Die Schüler:innen
- können mittels Medien bestehende Kontakte pflegen und sich austauschen (zum Beispiel Telefon, Brief). (MI.1.4.a)
- können sich über Erfahrungen in ihrer unmittelbaren Umwelt, über Medienerfahrungen sowie Erfahrungen in virtuellen Lebensräumen austauschen und über ihre Mediennutzung sprechen (zum Beispiel Naturerlebnis, Spielplatz, Film, Fernsehen, Bilderbuch, Hörspiel, Lernprogramm). (MI. 1.1a)
Empfohlene Lehrmittel
- MIA im Kindergarten (Kern und Schild 2021)
KG: ja, 1./2. Klasse: nein
Das Lehrmittel regt über ein Wimmelbild, Hörbeiträge und weitere Aufträge die Weiterentwicklung der Kompetenzen im Umgang mit Medien an.- 1 Austausch über Alltagserfahrungen mit und ohne Medien
- 7 Sich mittels Medien austauschen
- MIA in der 1. und 2. Klasse (Kern und Schild 2020)
KG: nein, 1./2. Klasse: ja
Das Lehrmittel regt über ein Wimmelbild, Hörbeiträge und weitere Aufträge die Weiterentwicklung der Kompetenzen im Umgang mit Medien an.- 72 Medienfiguren thematisieren
- 74 Kontakt mittels Brief oder Postkarte pflegen
- 81 Realität und Fiktion unterscheiden
- Ich du wir Medienkompetent (Calore et al. 2015)
KG: nein, 1./2. Klasse: ja - Ich du wir – Sozialkompetenz (Schnell und Werthmüller 2014)
KG: ja, 1./2. Klasse: ja
Die Ich-du-wir-Reihe führt über themenzentriertes Theater durch verschiedene Themen. Eine positive Beziehungsgestaltung, Empathiefähigkeit und Kommunikation werden durch Rollenspiel und Reflexion gefördert. - Wetterfest (Arbeitsgruppe «Lebenskompetenzen stärken» 2010)
KG: ja, 1./2. Klasse: ja
Die folgenden Unterrichtsanregungen dienen allgemein der Förderung der überfachlichen Kompetenzen. Die Inhalte können gut auf die Mediennutzung übertragen werden.- Seite 169: Ich mag mich! – Ich mag dich!
- Seite 170: Wer bist du? – Wer bin ich?
- Seiten 221–222: Für andere da sein – anderen helfen
Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien
| Wetterfest | Informationen zum online verfügbaren Lehrmittel |
|---|---|
| Medienboxen Kindergarten |
Abteilung SCHU∷COM. 2019. Medienboxen Kindergarten (2. gekürzte Fassung). Winterthur: Stadt Winterthur. Die Medienboxen thematisieren die vier Medien Bild/Foto, Film, Ton und Maschine/Computer. In spielerischer und kreativer Weise lernen die Kinder deren Funktionsweise und Wirkung kennen und reflektieren die Erfahrungen. Die Medienboxen sind auch für 1./2. Klasse geeignet. |
| Ich Du Wir |
Calore, Gino, Annie Kummer Wyss, Sabine Schnell, und Heinrich Werthmüller. 2015. ICH DU WIR Medienkompetent (1. Aufl.). Bern: Schulverlag plus. Kaufmann, Hänsu, Sabine Schnell, und Heinrich Werthmüller. 2015. ICH DU WIR KONSUM (2. Aufl.). Bern: Schulverlag plus. Schnell, Sabine, und Heinrich Werthmüller. 2014. ICH DU WIR Sozialkompetenz (4., neu überarb. Aufl.). Meilen: SI TZT-Verlag. Kartensets für Themenzentriertes Theater: Die Methode des Themenzentrierten Theaters eignet sich besonders gut, Bezüge zum eigenen Alltag herzustellen und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel zu fördern. Einfach und knapp beschreibt jede Karte stufengerecht eine Unterrichtseinheit von einer bis zwei Lektionen. Die Kartensets ICH DU WIR KONSUM und Sozialkompetenz nehmen nicht direkt Bezug auf Medien. Die Unterrichtsanregungen können jedoch auf Medieninhalte übertragen werden. Informationen zur Lehrmittelreihe |
| MIA im Kindergarten |
Kern, Andrea, und Stefanie Schild. 2021. MIA im Kindergarten. Bern: hep Verlag. Das Lehrmittel fördert Kompetenzen in den Bereichen Medien, Informatik und Anwendung. Es besteht aus einem Kartenset und einem aufstellbaren Klapp-Wimmelbild. Die frei zugängliche Webseite enthält Hintergrundinformationen, Hörbeiträge, zahlreiche Umsetzungsideen und weitere Materialien und Ressourcen. |
| MIA in der 1. und 2. Klasse |
Kern, Andrea, und Stefanie Schild. 2020. MIA in der 1. und 2. Klasse: Stickerheft zum Aufbau von Medien-, Informatik- und Anwendungskompetenzen. Bern: hep Verlag. Das Heft enthält zehn anregende Wimmelbilder aus dem Schulalltag (Schulzimmer, Schulhaus, Schulhausgang, Pausenplatz, Bibliothek, Wald usw.). Die Wimmelbilder regen zu Gesprächen rund um die Digitalisierung und Mediensozialisation an. QR-Codes führen zu kurzen Hörbeiträgen und Aufträgen für die Schüler:innen. Die frei zugängliche Website enthält Hintergrundinformationen und konkrete Umsetzungsvorschläge. |
Literaturverzeichnis
Bernath, Jael, Gregor Waller, und Ursula Meidert (2020) Adele+. Der Medienumgang von Kindern im Vorschulalter (4–6 Jahre). Chancen und Risiken für die Gesundheit (Obsan Bericht 03/2020).
Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium.
Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) (2020) Mediennutzung: Modell zur Zusammenarbeit mit Eltern.
Lausanne: GREA, Fachverband Sucht, Bundesamt für Gesundheit BAG.
Kirchhoff, Esther (2024) Suchtprävention im Kindesalter – das Potenzial der Schule.
SuchtMagazin 50 (6): 13–18.
Nationale Plattform Jugend und Medien, und ZHAW (2024) Medienkompetenz. Empfehlungen zum Umgang mit digitalen Medien.
Bern: Jugend und Medien – Nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenz, und Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
Suter, Lilian, Jael Bernath, Isabel Willemse, Céline Külling, Gregor Waller, Patricia Skirgaila, und Daniel Süss (2023) MIKE – Medien, Interaktion, Kinder, Eltern: Ergebnisbericht zur MIKE-Studie 2021.
Zürich: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).
Tilemann, Friederike, Sabine Eder (2019) Frühkindliche Medienwelten im digitalen Zeitalter.
In: Aufwachsen im digitalen Zeitalter – Bericht der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen, hrsg. von der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ), 58–64. Bern: EKKJ.
Letzte Aktualisierung: 24. August 2026