Medien im 2. Zyklus

Auch wenn sich Kinder im zweiten Zyklus immer noch gern körperlich betätigen, nimmt die Nutzung digitaler Medien in diesem Alter zu. Die Förderung von personalen und sozialen Kompetenzen zielt darauf ab, dass die Kinder die digitalen Medien verantwortungsvoll zu nutzen lernen.

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Wichtige Themen

Gemäss der MIKE-Studie [Suter et al. 2023] zählten im Jahr 2021 Spielen, Sport und soziale Kontakte zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der befragten 6- bis 13-jährigen Kinder. Ein- bis mehrmals wöchentlich wurden klassische Medien wie Fernsehen und Bücher genutzt. Kinder der Primarstufe schauten im Durchschnitt 19 Minuten pro Tag Videos im Internet. Gamen war die beliebteste mediale Eigentätigkeit. Mehr als Dreiviertel der Jungen und etwa die Hälfte der Mädchen gamten mindestens einmal pro Woche. Ab einem Alter von 10 Jahren besassen mehr als die Hälfte der Kinder ein eigenes Handy, und dadurch nahm auch die Internetnutzung sprunghaft zu. Die beliebtesten Apps waren YouTube, Tiktok, Netflix, Spotify und WhatsApp. Jedes vierte Kind hatte bereits miterlebt, dass ein anderes Kind online beleidigt wurde, 15 Prozent waren selbst betroffen.

Auch wenn die Begleitung und Unterstützung von Seiten erwachsener Bezugspersonen von hoher Bedeutung bleiben [Nationale Plattform Jugend und Medien u. ZHAW 2024], werden in diesem Alter der Schüler:innen die Selbständigkeit und damit auch die Selbstverantwortung in Bezug auf die Mediennutzung allmählich grösser [Sameroff 2010, Vasconcellos et al. 2025]. Eine besondere Herausforderung besteht darin, die Kinder auf eine sich immer schneller verändernde Welt vorzubereiten, ohne im Konkreten zu wissen, wie sich diese zum Beispiel technisch und gesellschaftlich ausgestalten wird [Kirchhoff 2024, Merz 2019].

Ziel ist es deshalb, die Kinder zu befähigen, immer wieder neue und unterschiedlichste Herausforderungen kreativ, konstruktiv und gesund bewältigen zu können. Insbesondere eine wertschätzende Kommunikation, der konstruktive Umgang mit Konflikten oder die Abgrenzung bei Gruppendruck sind wichtige Kompetenzen in sozialen Medien wie Whatsapp-Chats oder auf Tiktok ebenso wie in physischen Kontakten. Der Umgang mit schwierigen Gefühlen und das Erlernen von Bewältigungsstrategien im Umgang mit Stress werden zudem gegen Ende der Primarschulzeit immer wichtiger [Vasconcellos et al. 2025].

Auch Schulentwicklungsprojekte unter Partizipation der Schüler:innen, wie zum Beispiel Service-Learning, ermöglichen diese Förderung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen. Zudem bieten sie die Möglichkeit von sozialen Erfahrungen in der physischen Welt, als Alternative zu den zunehmenden Kontakten über digitale Medien.

Im Folgenden werden zwei Themen aufgeführt, die im zweiten Zyklus wichtig sind. Für jedes Thema werden Bezüge zum Lehrplan 21 hergestellt sowie empfohlene Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien aufgelistet.

Zentrale Inhalte

Die Schüler:innen lernen im Zyklus 2 zunehmend, Mitverantwortung für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit, aber auch für ihre Umwelt zu übernehmen. Sie befassen sich mit Ressourcen sowie Risiken in ihrem Leben und erkennen vielfältige Einflüsse auf die psychische und physische Gesundheit. Es werden Handlungen und Gewohnheiten kritisch hinterfragt sowie alternative Vorgehensweisen diskutiert und erprobt, welche Gesundheit und Wohlbefinden erhalten und fördern.

Bezogen auf die Mediennutzung bedeutet dies, insbesondere den Einfluss sozialer Netzwerke und der darin vermittelten Botschaften wahrzunehmen und kritisch zu reflektieren. Dies gilt zunehmend auch für Inhalte, die über Anwendungen künstlicher Intelligenz erstellt werden.

Bezüge zum Lehrplan 21

überfachliche Kompetenzen

Die Schüler:innen

  • können eigene und andere Meinungen und Überzeugungen auf zugrundeliegende Argumente (Fakten, Interessen, Werte) hin befragen.
  • können Argumente abwägen und einen eigenen Standpunkt einnehmen.
  • können aufgrund neuer Einsichten einen bisherigen Standpunkt ändern; sie können in Auseinandersetzungen nach Alternativen oder neuen Wegen suchen.
  • können Informationen (…) aus dem Internet, aus Büchern und Zeitungen (…) suchen, sammeln und zusammenstellen.
  • können die Qualität und Bedeutung der gesammelten und strukturierten Informationen abschätzen und beurteilen.
  • können einen herabwürdigenden Sprachgebrauch erkennen und nehmen einen solchen nicht passiv hin.

Personale und soziale Kompetenzen

Natur Mensch Gesellschaft (NMG)

Die Schüler:innen

  • können Mitverantwortung für Gesundheit und Wohlbefinden übernehmen und sich vor Gefahren schützen. (NMG. 1.2)
  • können Werte, die in ihrem Leben bedeutsam sind, beschreiben, vertreten und mit denen von anderen vergleichen. (NMG.11.3f)
Medien und Informatik (MI)

Die Schüler:innen

  • können Vor- und Nachteile direkter Erfahrungen, durch Medien oder virtuell vermittelter Erfahrungen benennen und die persönliche Mediennutzung begründen. (MI.1.1.b)
  • können Folgen medialer und virtueller Handlungen erkennen und benennen (zum Beispiel Identitätsbildung, Beziehungspflege, Cybermobbing). (MI.1.1.c)
  • können Informationen aus verschiedenen Quellen gezielt beschaffen, auswählen und hinsichtlich Qualität und Nutzen beurteilen. (MI 1.2.e)

Empfohlene Lehrmittel

  • MIA in der 3. und 4. Klasse (Meyer und Wespi 2022)
    Das Comic-Heft bietet mit verschiedenen Geschichten u.a. die Gelegenheit, die Wirkung von medial dargebotenen Inhalten zu untersuchen, zum Beispiel durch
    • Die Eidechse: Figuren und Mimik entwickeln
    • Der Bauernhof: Bewegung im Comic
    • Räbenumzug: Symbole und ihre Bedeutung
  • Ich du wir Medienkompetent (Calore et al. 2015)
    Die Ich-du-wir-Reihe führt durch themenzentriertes Theater durch verschiedene Themen, und andere
    • Identität
    • Privatsphäre
    • Abmachungen
  • Medienbewusst – Gamen, liken, posten, sharen (Hansen 2020)
    Für 5./6. Klasse: Themenbilder führen durch die fünf Themenfelder
    • Mediengesellschaft
    • Medienbewusstsein
    • Soziale Medien
    • Digitales Verhalten
    • Sicherheit und Gesetze
  • Wetterfest (Arbeitsgruppe «Lebenskompetenzen stärken» 2010)
    Die folgenden Unterrichtsanregungen dienen allgemein der Förderung der überfachlichen Kompetenzen. Die Inhalte können gut auf die Mediennutzung übertragen werden.
    • Seiten 247–248: Manchmal geht es schwer
    • Seiten 249–251: Helfer:in sein und Hilfe finden
    • Seiten 252–253: Unsere Probleme – Unsere Lösungen
    • Seiten 262–263: Streit oder kein Streit?
  • Jugend und Medien (Team Jugend und Medien BSV 2025)
    Lehrmittelhinweise und Informationen für Eltern zu verschiedenen Themen, wie etwa «Fake News und Manipulation», «Soziale Netzwerke» oder «Selbstdarstellung und Schönheitsideale».

Zentrale Inhalte

Die Schüler:innen im Zyklus 2 erweitern ihren Bewegungsradius. Sie bauen Beziehungen in der nachbarschaftlichen Welt ausserhalb ihrer Familie aus und bewegen sich zunehmend im Internet und auf Sozialen Netzwerken.

Mit diesem Entwicklungsschritt wird es zunehmend wichtig, über sich selbst und die anderen, das eigene Verhalten und dasjenige der anderen nachzudenken, um verantwortungsvoll handeln zu können. Dazu gehört einerseits, (Kommunikations-)Regeln in der physischen und digitalen Welt zu kennen und zu verstehen, um sie bewusst einhalten und auch einfordern zu können. Andererseits ist damit auch verbunden, für sich selbst und andere einstehen oder sich gegen andere behaupten zu können. Dies gilt umso mehr, wenn durch die Dynamiken in der physischen oder digitalen Welt ein Gruppendruck entsteht.

Bezüge zum Lehrplan 21

überfachliche Kompetenzen

Die Schüler:innen

  • können sich in neuen, ungewohnten Situationen zurechtfinden.
  • können Herausforderungen annehmen und konstruktiv damit umgehen.
  • können sich eigener Meinungen und Überzeugungen bewusst werden und diese mitteilen.
  • können die Argumente zum eigenen Standpunkt verständlich und glaubwürdig vortragen.
  • können einen eigenen Standpunkt einnehmen und vertreten, auch wenn dieser im Gegensatz zu vorherrschenden Meinungen/​Erwartungen steht.
  • können Konfliktsituationen, die sich nicht lösen lassen, aushalten und nach neuen Konfliktlösungsmöglichkeiten suchen; wenn nötig holen sie bei Drittpersonen Unterstützung.

Personale und soziale Kompetenzen

Natur Mensch Gesellschaft (NMG)

Die Schüler:innen

  • lernen, Konflikte in der Gruppe fair zu lösen, und können verschiedene Strategien anwenden (zum Beispiel Schlichtung, Abstimmung, Konsens). (NMG.10.1e)
  • können Werte, die in ihrem Leben bedeutsam sind, beschreiben, vertreten und mit denen von anderen vergleichen. (NMG.11.3f)
Medien und Informatik (MI)

Die Schüler:innen

  • können sich in der physischen Umwelt sowie in medialen und virtuellen Lebensräumen orientieren und sich darin entsprechend den Gesetzen, Regeln und Wertesystemen verhalten. (MI.1.1)
  • können Medien für gemeinsames Arbeiten und für Meinungsaustausch einsetzen und dabei die Sicherheitsregeln befolgen. (MI 1.4.b)

Empfohlene Lehrmittel

  • MIA in der 3. und 4. Klasse (Meyer und Wespi 2022)
    Das Comic-Heft bietet mit verschiedenen Geschichten u.a. die Gelegenheit, die Wirkung von medial dargebotenen Inhalten zu untersuchen, zum Beispiel durch Räbenumzug: Symbole und ihre Bedeutung.
  • Ich du wir Medienkompetent (Calore et al. 2015)
    Die Ich-du-wir-Reihe führt durch themenzentriertes Theater durch verschiedene Themen, unter anderem
    • Identität
    • Privatsphäre
    • Abmachungen
    • Gruppendruck
  • Medienbewusst – Gamen, liken, posten, sharen (Hansen 2020)
    Für 5./6. Klasse: Themenbilder führen durch die fünf Themenfelder
    • Mediengesellschaft
    • Medienbewusstsein
    • Soziale Medien
    • Digitales Verhalten
    • Sicherheit und Gesetze
  • Wetterfest (Arbeitsgruppe «Lebenskompetenzen stärken» 2010)
    Die folgenden Unterrichtsanregungen dienen allgemein der Förderung der überfachlichen Kompetenzen. Die Inhalte können gut auf die Mediennutzung übertragen werden.
    • Seite 39: Spuren legen
    • Seite 40: Wer bin ich?
    • Seite 42: Ich bin wichtig
    • Seiten 44–45: Ich bin wertvoll
    • Seiten 126–134: Ja und Nein-Sagen, Grenzen setzen, Freiräume und Grenzen im persönlichen Lebenslauf.
  • feel-ok.ch (Radix 2025, Version 14)
    Webseite mit vielen Umsetzungsvorschlägen zu gesundheitsrelevanten Themen, zum Beispiel Selbstvertrauen

Webseite mit Informationen und Unterrichtsmaterialien

klicksafe.de der Medienanstalt Rheinland-Pfalz. Online-Ratgeber, wie Sie Cybermobbing rechtzeitig erkennen und richtig handeln. Zudem finden Sie hier Materialien für die medienpädagogische Arbeit in der Primarschule.

Lehrmittel und Unterrichts­materialien

Wetterfest

Das Lehrmittel nimmt nicht direkt Bezug auf Medien. Die Unterrichtsanregungen können jedoch auf Medieninhalte übertragen werden.

Informationen zum online verfügbaren Lehrmittel
MIA in der 3. und 4. Klasse

Meyer, Larissa, und Nicole Wespi. 2022. MIA in der 3. und 4. Klasse: 10 Comic-Geschichten. Bern: Hep-Verlag.

Die MIA-Reihe trägt zum Erwerb von Medien-, Informatik- und Anwendungskompetenzen gemäss dem Lehrplan 21 bei (siehe auch Zyklus 1). «MIA in der 3. und 4. Klasse» besteht aus einem Comic-Heft und einer Webseite. Anhand von Comic-Geschichten bearbeiten die Schüler:innen unterschiedliche Medien- und Informatik-Aufgaben und -Themen. Die Webseite bietet weiterführende Audio-Aufnahmen zu den Comicgeschichten, zahlreiche Materialien für die Unterrichtsgestaltung sowie Links für weiterführende Informationen.

mia-comic.ch

Ich Du Wir

Calore, Gino, Annie Kummer Wyss, Sabine Schnell, und Heinrich Werthmüller. 2015. Ich Du Wir Medienkompetent (1. Auflage). Bern: Schulverlag plus.

Kaufmann, Hänsu, Sabine Schnell, und Heinrich Werthmüller. 2015. Ich Du Wir Konsum (2. Auflage). Bern: Schulverlag plus.

Schnell, Sabine, und Heinrich Werthmüller. 2014. Ich Du Wir Sozialkompetenz (4., neu überarbeitete Auflage). Meilen: SI TZT-Verlag.

Kartensets für Themenzentriertes Theater: Die Methode des Themenzentrierten Theaters eignet sich besonders gut, Bezüge zum eigenen Alltag herzustellen und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel zu fördern. Einfach und knapp beschreibt jede Karte stufengerecht eine Unterrichtseinheit von einer bis zwei Lektionen.

Die Kartensets Ich Du Wir Konsum und Sozialkompetenz nehmen nicht direkt Bezug auf Medien. Die Unterrichtsanregungen können jedoch auf Medieninhalte übertragen werden.

Informationen zur Lehrmittelreihe
Medienbewusst – Gamen, liken, posten, sharen

Hansen, Fabian 2020. Medienbewusst – Gamen, liken, posten, sharen. Winterthur: elk-Verlag.

Für 5./6. Klasse.

Fünf Themenbilder dienen als Einstieg in den jeweiligen Bereich und eröffnen Diskussionen. Die Arbeitsblätter regen zum Festhalten, Vergleichen und Reflektieren der fremden und eigenen Mediennutzung an. Die Kinder lernen, Medien kritisch und eigenständig zu nutzen, Chancen und Risiken einzuschätzen und das Medienbewusstsein zu schärfen.

Die fünf Themenfelder sind: Mediengesellschaft, Medienbewusstsein, Soziale Medien, Digitales Verhalten, Sicherheit und Gesetze.

Feel-ok.ch

Radix Schweizerische Gesundheitsstiftung. 2025 (Version 14). «feel-ok.ch – Eine Gesundheitsplattform für Jugendliche.». 

Die Website der Schweizerischen Gesundheitsstiftung Radix bietet Jugendlichen kostenlose Informationen und Dienstleistungen zu gesundheits- und gesellschaftsrelevanten Themen. Für Lehrpersonen und andere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind didaktische Unterlagen (Wissensfragen, Gruppenarbeiten und interaktive Tools) aufgeschaltet, mit denen Jugendliche die Inhalte von feel-ok.ch selbstständig bearbeiten können. Zu vielen Themen stehen Informationen und Links für Eltern zur Verfügung.

feel-ok.ch

Jugend und Medien

Team Jugend und Medien (Bundeamt für Sozialversicherungen (BSV) 2025). Jugend und Medien - Nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenzen.

Lehrmittelhinweise, Tipps für den Schulalltag und Informationen für Eltern zu verschiedenen Themen.

Zur Webseite

Literaturverzeichnis

  • Kirchhoff, Esther (2024) Suchtprävention im Kindesalter – das Potenzial der Schule.

    SuchtMagazin 50 (6): 13–18.

  • Merz, Thomas (2019) Die eigentliche digitale Transformation für die Schule steht noch bevor.

    In: Aufwachsen im digitalen Zeitalter – Bericht der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen, hrsg. von der Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ), 30–36. Bern: EKKJ.

  • Nationale Plattform Jugend und Medien, und ZHAW (2024) Medienkompetenz. Empfehlungen zum Umgang mit digitalen Medien.

    Bern: Jugend und Medien – Nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenz, und Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

  • Sameroff, Arnold (2010) A Unified Theory of Development: A Dialectic Integration of Nature and Nurture.

    Child Development 81 (1), 6–22.

  • Suter, Lilian, Jael Bernath, Isabel Willemse, Céline Külling, Gregor Waller, Patricia Skirgaila, und Daniel Süss (2023) MIKE – Medien, Interaktion, Kinder, Eltern: Ergebnisbericht zur MIKE-Studie 2021.

    Zürich: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). 

  • Vasconcellos, Roberta Pires, Taren Sanders, Chris Lonsdale, Philip Parker, James Conigrave, Samantha Tang, Borja Del Pozo Cruz, u. a. (2025) Electronic Screen Use and Children’s Socioemotional Problems: A Systematic Review and Meta-Analysis of Longitudinal Studies.

    Psychological Bulletin 151 (5): 513–43.

Letzte Aktualisierung: 24. August 2026