Stress

Schulischer Leistungsdruck oder belastende Beziehungen können Stress auslösen. Die Prävention von Stress ist für die psychische und physische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zentral. Wirkungsvolle Stressprävention setzt sowohl auf der Ebene der Schüler:innen als auch der Ebene der Schule an.

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Das Wichtigste in Kürze

Stress ist ein komplexes Phänomen, und es gibt keine einheitliche Definition dafür. In allen Ansätzen und Modellen wird Stress jedoch als Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen einer Person und ihrer Umwelt betrachtet. Eines der einflussreichsten und am häufigsten zitierten Stressmodelle der letzten 20 bis 30 Jahre ist das Transaktionale Stressmodell [Lazarus u. Launier 1981]. Dieses Modell besagt, dass Stress durch eine dynamische Interaktion zwischen einer gegebenen Situation und einer zweistufigen Bewertung seitens der betroffenen Person entsteht.

  1. Primäre Bewertung: Bei der primären Bewertung wird ein Ereignis oder eine Situation als positiv, irrelevant oder potenziell bedrohlich für das eigene Wohlbefinden oder die eigenen Ziele betrachtet. Schätzt die Person die Situation als bedrohlich ein, wird sie stressrelevant.
  2. Sekundäre Bewertung: An diese Situationseinschätzung gekoppelt ist die sekundäre Bewertung, bei der die Person die Situationsanforderung mit den vorhandenen Ressourcen abgleicht. Stress entsteht gemäss dieser Theorie, wenn eine Person die Situation als persönlich bedeutsam einschätzt und befürchtet, dass die zur Verfügung stehenden Ressourcen (zum Beispiel Zeit, Fachwissen, Unterstützung) nicht ausreichen, um die gestellten Anforderungen zu bewältigen.

Stress ist individuell und entsprechend unterschiedlich reagieren wir auf Stress. Die Stresssymptome äussern sich einerseits in unseren Gedanken und Gefühlen wie Angst, Ärger oder Selbstmitleid. Andererseits kann Stress auch körperlich spürbar werden und sich beispielsweise in Nervosität, Schlafproblemen, erhöhter Muskelspannung, Schweissausbrüchen, Kopfschmerzen oder einer geschwächten Immunabwehr zeigen.

Zur Bewältigung von Stresssituationen greifen Menschen auf subjektive Bewältigungsstrategien (Coping-Strategien) zurück. Es wird zwischen problem- und emotionsorientierten Strategien unterschieden. «Problemorientiertes Coping» setzt bei der Situation an, das heisst, das Problem wird aktiv angegangen und im Idealfall gelöst. Beim «emotionsorientierten Coping» wird versucht, die durch die Situation entstandene emotionale Erregung zu regulieren oder abzubauen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die soziale Unterstützung von anderen Menschen. Diese kann bei der Problemlösung helfen, aber auch emotionsregulierend wirken, zum Beispiel durch Trost, Anerkennung und Zuspruch.

Falls die Stressbewältigung nicht gelingt, bedeutet dies für die betroffenen Personen ein Verlust an Wohlbefinden und Lebensqualität. Zudem ist mittel- bis langfristig mit Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit zu rechnen.

Aktuelle Zahlen

Stress wird häufig anhand des subjektiven Belastungserlebens und der wahrgenommenen Überforderung erfasst. Daten aus verschiedenen Studien – darunter die internationalen WHO-Studie «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC) [Balsiger et al. 2025], die Befragung der Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich [Hunold u. Papandreou 2023] sowie die Pro Juventute Stress-Studie [Albrecht et al. 2021] – zeigen, dass sich etwa ein Drittel der Kinder und Jugendlichen, je nach Alter und Geschlecht, regelmässig gestresst fühlt. Besonders betroffen sind Mädchen: Laut der HBSC-Studie berichten 62% der 15-jährigen Mädchen von starkem Schulstress – im Vergleich zu 43% der Jungen [Balsiger et al. 2025]. Auch die Pro Juventute Jugendstudie [Albrecht et al., 2024] bestätigt die Belastung: 36 % der Mädchen (vs. 21 % der Jungen) fühlen sich häufig müde oder erschöpft. Zu den Hauptbelastungen zählen schulischer Leistungsdruck, Prüfungen, Notenstress, die Berufswahl sowie Zukunftsängste. Auch finanzielle Schwierigkeiten führen zu Stress [Stadt Zürich 2025] (vergleiche Informationen zur Finanzkompetenz). Diese Befunde werden durch die HBSC-Studie [Balsiger et al. 2025] oder die Befragung der Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich [Hunold u. Papandreou 2023] gestützt.

Über verschiedene Studien [Albrecht et al. 2024, Balsiger et al. 2025,, Hunold u. Papandreou 2023, Quervain et al. 2020, Schuler et al. 2024] hinweg werden folgende zentrale Stressoren deutlich:

  • steigender schulischer Druck durch häufige Prüfungen und Leistungsanforderungen
  • überfordernde Erwartungen seitens der Eltern,
  • zu wenig freie, selbstbestimmte Zeit,
  • sowie anhaltende Folgen der COVID-19-Pandemie, die bestehende Belastungen weiter verschärft haben.

Ansätze zur schulischen Stressprävention 

Da sowohl individuelle Faktoren als auch situative Rahmenbedingungen zur Entstehung von Stress beitragen, sollten Präventionsmassnahmen zwei Ebenen berücksichtigen: die Verhaltensprävention, die auf die Schüler:innen und ihr Verhalten abzielt und die Verhältnisprävention, die die schulischen Rahmenbedingungen in den Fokus rückt.

  1. Massnahmen auf der Ebene der Verhaltensprävention verfolgen das Ziel, Schüler:innen dabei zu unterstützen, mit Stress konstruktiv umzugehen. Dies umfasst: a) die Vermittlung von Wissen zur Entstehung und Verläufen von Stress, b) die Sensibilisierung und Motivation zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema, sowie c) die Förderung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen zur Bewältigung von Stresssituationen.
    Im Zentrum steht dabei die Entwicklung von Lebenskompetenzen und eine aktive Auseinandersetzung der Schüler:innen mit eigenen Verhaltensweisen und Einstellungen.
  2. Auf der Ebene der Verhältnisprävention steht die Schule als Lern- und Lebensraum im Fokus. Schüler:innen haben hier zwar nur begrenzte Möglichkeiten, stressauslösende Situationen zu beeinflussen. Doch Schulleitungen und Lehrpersonen können durch geeignete Massnahmen optimale Voraussetzungen für stressreduziertes Lernen und gute Leistungen schaffen.

Kontakt

Porträtfoto von Dr. Simone Schoch

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Empfohlene Webseiten

Literaturverzeichnis

  • Albrecht, Ingo, Mara Kottlow, Patric Stocker, und Holger Ziegler (2021) Pro Juventute Stress-Studie.

    Zürich: Pro Juventute Schweiz. 

  • Balsiger, Nora, und Marina Delgrande Jordan (2025) Gesundheit und Gesundheitsverhalten von 11-, 13- und 15-jährigen Jugendlichen im Jahr 2022 und Entwicklung über die Zeit: Die Schweiz im internationalen Vergleich – Ergebnisse der Studie Health Behaviour in School-aged Children (HBSC).

    Forschungsbericht Nr. 176. Lausanne: Sucht Schweiz. 

  • de Quervain, Dominique, Amanda Aerni, Ehssan Amini, Dorothée Bentz, David Coynel, Virginie Freytag, Christiane Gerhards, et al. (2020) The Swiss Corona Stress Study: Second Pandemic Wave, November 2020.

    OSF Preprints. December 16. 

  • Hunold, Claude, und Alexandra Papandreou (2023) Gesundheit von Schüler*innen der Stadt Zürich. Resultate der Befragung Schuljahr 2022/2023.

    Zürich: Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich. 

  • Lazarus, Richard S., und Raymond Launier (1981) Stressbezogene Transaktion zwischen Person und Umwelt.

    In: Stress – Theorien, Untersuchungen, Massnahmen, hrsg. v. Jürgen R. Nitsch, 213–259. Bern: Huber.

  • Schuler, Daniela, Alexandre Tuch, Isabelle Sturny, und Claudio Peter (2024) Psychische Gesundheit. Kennzahlen 2022 (Obsan Bulletin 11/2024).

    Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan). 

  • Stadt Zürich (2025) Finanzielle Gesundheit: Was ist das? Geld-Kompass.

    Zürich: Stadt Zürich.

  • Werling, Anna, Renate Drechsler, S. Walitza, Lulzana Musliu, Silija Bachmann, und Kirstin Mosler (2024) Pro Juventute Jugendstudie.

    Zürich: Pro Juventute Schweiz. 

Letzte Aktualisierung: 24. August 2026