Überfachliche Kompetenzen

Überfachliche Kompetenzen stärken Kinder und Jugendliche darin, alltägliche Herausforderungen selbstständig zu meistern. Durch ihre gezielte Förderung leisten Schulen nicht nur einen Beitrag zum Bildungserfolg, sondern auch zur körperlichen und psychischen Gesundheit der Schüler:innen.

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Das Wichtigste in Kürze

Bei den Schüler:innen vollziehen sich während der ganzen Volksschulzeit viele bedeutsame Veränderungen – körperlich, emotional und sozial. Sie setzen sich mit eigenen Verhaltensweisen, Einstellungen und Werten auseinander und lernen dabei, mit anderen zusammenzuleben, zusammenzuarbeiten, Konflikte zu lösen, Verantwortung zu übernehmen und mit Vielfalt umzugehen [Oerter u. Dreher 2008]. Überfachliche Kompetenzen helfen den Kindern und Jugendlichen, diese sogenannten Entwicklungsaufgaben aus eigener Kraft erfolgreich zu bewältigen, und tragen nachhaltig zur Stärkung der körperlichen und psychischen Gesundheit bei [Jerusalem u. Meixner-Dahle 2021].

Wichtig ist dabei der kontinuierliche Aufbau überfachlicher Kompetenzen über alle drei Zyklen hinweg – jeweils abgestimmt auf die altersentsprechenden Entwicklungsaufgaben –, da er die Wirksamkeit massgeblich erhöht.

Für die Gesundheit besonders relevant sind die Fähigkeiten, sich selbst zu regulieren (personale Kompetenzen), Beziehungen zu gestalten (soziale Kompetenzen) und gesunde Entscheidungen auf der Grundlage von fachlichen Informationen zu treffen (methodische Kompetenzen) [Högger 2018, Kirchhoff u. Keller 2021, Knauf et al. 2018, Taylor et al. 2017, UNICEF 2019].

Überfachliche Kompetenzen im Lehrplan 21

Die überfachlichen Kompetenzen – auch Lebenskompetenzen (englisch: life skills) genannt – werden im Lehrplan 21 in personale, soziale und methodische Kompetenzen unterteilt [Bildungsdirektion des Kantons Zürich 2017].

Im Lehrplan 21 finden sich in allen Fachbereichen und Modulen Verweise auf die Förderung von gesundheitsbezogen fachlichen und überfachlichen Kompetenzen, welche die Anliegen der Gesundheitsförderung und Prävention aufnehmen.

Personale Kompetenzen (Selbstregulation)

  • Selbstkonzept (Wissen, was die eigene Person ausmacht, zum Beispiel Eigenschaften, Fähigkeiten, Überzeugungen, Gefühle, Bedürfnisse, Verhaltensmuster)
  • Emotions- und Stressregulation (unerwünschte Emotionen unterdrücken und erwünschte Emotionen intensivieren, Bewältigungsstrategien für herausfordernde Situationen entwickeln)
  • Handlungsplanung, ‑steuerung und ‑kontrolle (selbst gesetzte Ziele durch planmässiges Handeln erreichen; metakognitive Strategien und exekutive Funktionen nutzen, Motivation steuern)
Personale Kompetenzen in den Fachbereichen: Beispiele

Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG): Die Schülerinnen und Schüler können sich und andere wahrnehmen und beschreiben (NMG.1.1)

Musik (MU): Die Schülerinnen und Schüler können verschiedene Bedeutungen, Funktionen sowie emotionale und physische Wirkungen von Musik in ihrem Umfeld, in der Gesellschaft und in den Medien erfassen … Sie können durch Musik ausgelöste Stimmungen wahrnehmen und dabei entstehende Gefühle zulassen und sichtbar machen (zum Beispiel fröhlich, ausgelassen, wütend, melancholisch (MU.2.C.1)

Religionen, Kulturen, Ethik (RKE): Die Schülerinnen und Schüler können eigene Ressourcen wahrnehmen, einschätzen und einbringen … Sie kennen Möglichkeiten, mit Spannungssituationen und Stress umzugehen (zum Beispiel Pausengestaltung, Bewegung) (RKE.5.1)

Soziale Kompetenzen (Beziehungsgestaltung)

  • Kommunikation (verbal/nonverbal, aktives Zuhören, Gefühle ausdrücken, Feedback geben und annehmen)
  • Empathie (Bedürfnisse und Lebensumstände eines anderen wahrnehmen und Verständnis ausdrücken)
  • Kooperation (Teamgeist leben, respektvoller Umgang pflegen, Kompromisse eingehen)
  • Selbstbehauptung (Gruppendruck widerstehen, eigenen Standpunkt einnehmen und vertreten)
Soziale Kompetenzen in den Fachbereichen: Beispiele

Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG): Die Schülerinnen und Schüler können auf andere eingehen und Gemeinschaft mitgestalten … sie können sich in andere Menschen hineinversetzen und deren Gefühle, Bedürfnisse und Rechte respektieren und sich für sie einsetzen (NMG.10.1)

Deutsch (D): Die Schülerinnen und Schüler können verschiedene Sprachen untersuchen (zum Beispiel in Bezug auf Grussformeln, auf politische Bildung, auf geschlechterbewusste Sprache, auf Gesprächsregeln in vergleichbaren Situationen, in Bezug auf Übersetzungsprobleme). Die Schülerinnen und Schüler können auf andere eingehen und Gemeinschaft mitgestalten (D.5.B.1)

Bewegung und Sport (BS): Die Schülerinnen und Schüler können Spiele spielen, weiterentwickeln und erfinden, indem sie gemeinsam Vereinbarungen treffen und einhalten (BS.4.A.1)

Methodische Kompetenzen (Informationsgewinnung, -bewertung und Entscheidungsfindung)

  • Kritisches Denken (Informationen sammeln, strukturieren und analysieren, Wesentliches von Nebensächlichem unterscheiden)
  • Kreatives Denken (Problemlösemöglichkeiten entwickeln und mögliche Konsequenzen antizipieren)
Methodische Kompetenzen in den Fachbereichen: Beispiele

Mathematik (M): Die Schülerinnen und Schüler können Aussagen, Vermutungen und Ergebnisse zu Zahlen und Variablen erläutern, überprüfen und begründen (MA.1.B.2)

Gestalten – Bildnerisches Gestalten (BG): Die Schülerinnen und Schüler können eigenständige Bildideen zu unterschiedlichen Situationen und Themen alleine oder in Gruppen entwickeln (BG.2.A.1)

Medien und Informatik (MI): Die Schülerinnen und Schüler können Abläufe mit Schleifen und Verzweigungen aus ihrer Umwelt erkennen, beschreiben und strukturiert darstellen (zum Beispiel mittels Flussdiagrammen) (MI.2.2.c)

Berufliche Orientierung (BO): Die Schülerinnen und Schüler können Prioritäten setzen, sich entscheiden und zugleich gegenüber Alternativen offen bleiben (BO.3.1)

Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien

Im Folgenden werden Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien empfohlen, die die Förderung gesundheitsrelevanter fachlicher und überfachlicher Kompetenzen unterstützen. Sie bieten Lernanlässe für personales, soziales und methodisches Lernen und enthalten teilweise auch Unterrichtseinheiten zu spezifischen Gesundheitsthemen wie Substanzkonsum, digitale Medien, sexuelle Gesundheit oder Gewalt.

Die Informationen sind nach Zyklus dargestellt, stammen jedoch meist aus zyklusübergreifenden Lehrmitteln.

Wichtig ist, dass die Lehrperson für eine respektvolle Arbeits- und Lernatmosphäre sorgt und auch die vielfältigen spontanen Lerngelegenheiten im Schulalltag nutzt. Auf diese Weise können Schüler:innen ihre überfachlichen Kompetenzen nachhaltig entwickeln. Die abschliessend empfohlenen zyklusübergreifenden Programme unterstützen diesen Aufbau zusätzlich.

Projekt Spielzeugfreier Kindergarten

Einsatzbereich – KG: ja, 1./2. Klasse: nein

Informationen zum Projekt

Orientierungshilfe des Schulnetz 21

Einsatzbereich – KG: ja, 1./2. Klasse: ja

Weitere Informationen

Ich du wir

Einsatzbereich – KG: nein, 1./2. Klasse: ja

Informationen zur Lehrmittelreihe

Wetterfest

Einsatzbereich – KG: ja, 1./2. Klasse: ja

Informationen zum online verfügbaren Lehrmittel

 

Bilderbücher

Ich du wir

Einsatzbereich – 3./4. Klasse: ja, 5./6. Klasse: ja

Informationen zur Lehrmittelreihe

Orientierungshilfe des Schulnetz 21

Einsatzbereich – 3./4. Klasse: ja, 5./6. Klasse: ja

Weitere Informationen

Wetterfest

Einsatzbereich – 3./4. Klasse: ja, 5./6. Klasse: ja

Informationen zum online verfügbaren Lehrmittel

IPSY

Einsatzbereich – 3./4. Klasse: nein, 5./6. Klasse: ja

Informationen zum Spiralcurriculum

Programme

Programme beziehen die ganze Schule ein. Das ganze Schulteam arbeitet sich in die Inhalte ein und setzt diese im eigenen Unterricht und in klassenübergreifenden Anlässen um. Damit werden Kompetenzen zyklusübergreifend gefördert und eine gesunde Schulkultur gestärkt.

Denk-Wege

Informationen zum Programm

MindMatters

Informationen zum Programm

Kontakt

Porträtfoto von Dr. Esther Kirchhoff

+41 43 305 65 38

Porträtfoto von Prof. Dr. Roger Keller

+41 43 305 58 91

Literaturverzeichnis

  • Bildungsdirektion des Kantons Zürich (2017) Lehrplan für die Volksschule des Kantons Zürich auf der Grundlage des Lehrplans 21.

    Zürich: Bildungsdirektion des Kantons Zürich.

  • Högger, Dominique (2018) Förderung von Lebenskompetenzen in der Schule.

    SuchtMagazin 44(4): 29–32.

  • Jerusalem, Matthias, und Sabine Meixner-Dahle (2021) Lebenskompetenzen.

    In: Psychologische Förder- und Interventionsprogramme für das Kindes- und Jugendalter, hrsg. v. Arnold Lohaus und Holger Domsch, 201–221. Berlin: Springer.

  • Karlen, Ives, Franziska Bühlmann, Miriam Compagnoni, Rico Pfaffhauser, Nadine Schuler, Claudia Zimmerli (2022) Überfachliche Kompetenzen stärken. Anregungen für die Planung, Förderung und Einschätzung überfachlicher Kompetenzen.

    Brugg-Windisch: Pädagogische Hochschule FHNW.

  • Kirchhoff, Esther und Roger Keller (2021) Age-Specific Life Skills Education in School: A Systematic Review.

    Frontiers in Education, 6: 660878.

  • Knauf, Rhea-Katharina, Hanna Hofmann und Heike Eschenbeck (2018) Förderung von Lebenskompetenzen.

    In: Psychologie in der Gesundheitsförderung, hrsg. v. Carl–Walter Kohlmann, Christel Salewski und Markus Antonius Wirtz, 355–368. Bern: Hogrefe.

  • Oerter, Rolf, und Eva Dreher (2008) Jugendalter.

    In: Entwicklungspsychologie, hrsg. v. Rolf Oerter und Leo Montada, 271–332. Weinheim: Beltz.

  • Taylor, Rebecca D., Eva Oberle, Joseph A. Durlak, und Roger P. Weissberg (2017) Promoting Positive Youth Development Through School-Based Social and Emotional Learning Interventions: A Meta-Analysis of Follow-Up Effects.

    Child Development 88 (4): 1156–1171.

  • United Nations Children’s Fund (UNICEF) (2019) Global Framework on Transferable Skills.

    New York: UNICEF. 

Letzte Aktualisierung: 24. August 2026